[LXXXIII] Hier in der Ostsee etwa 20 m.
Die Jahresproduktion an Diatomeen[LXXXIV] berechnet Hensen auf 6570 ccm pro Quadratmeter Oberfläche, diese enthalten 14.8 bis 17.7 gr organische Substanz. Es würden also in Summa pro Jahr von Diatomeen und Ceratien 133 + 17 gr = 150 gr organische Substanz pro Quadratmeter Oberfläche erzeugt werden.
Nach Berechnungen von Rodewald erzeugt 1 qm bebauten Landes (in Form von Heu) 179 gr organische Substanz. Es ist also die Produktion des Plankton nur um 20% geringer als die der gleichen Fläche Ackerlandes[LXXXV]. Da jedoch für die Berechnungen des Wassers nur Minimalzahlen genommen sind, so wäre es möglich, dass in der That die Produktion des Wassers gleich ist der des Landes. Hiermit ist also ein Mass für die Ertragsfähigkeit des Wassers gewonnen und zugleich ein Ausdruck für die belebende Wirkung des Sonnenlichtes.
[LXXXV] Dasselbe erwähnt Seligo[107] in seinen „Hydrobiologischen Untersuchungen“. Er sagt: „Wie eine Wiese ist die Wasserfläche gleichmässig bewachsen. Allerdings liegen die Pflänzchen normal nicht dicht an einander, aber dafür beschränkt sich ihre Anwesenheit und ihr Gedeihen nicht auf die Wasseroberfläche, sondern die oberen Wasserschichten bis zu mehreren Metern Tiefe sind davon durchsetzt, sodass die Gesamtmenge der unter einem bestimmten Teil der Oberfläche wachsenden Pflänzchen ungefähr so viel Pflanzenmenge sein dürfte, wie auf einer gleichgrossen Fläche einer dünn bewachsenen Wiese sich findet“.
Die oben gewonnenen Zahlen lassen sich jedoch noch weiterhin benutzen, z. B. für praktische Zwecke der Fischerei, wie Heincke[101] dargethan hat. Jedoch würde es uns zu weit führen, auf alle diese interessanten Berechnungen weiter einzugehen, wir müssen auf die Originalwerke verweisen.
Ein Punkt ist jedoch noch von Wichtigkeit, der es klarlegen soll, dass die Planktonmethode zu den vorhin dargelegten Schlüssen berechtigt. Haben wir ein Recht, von der Beobachtung, die wir aus einem kleinen Wasserquantum gewonnen haben, auf die Zusammensetzung des Plankton eines ganzen Wasserbeckens zu schliessen? Da hat sich nun gezeigt bei Untersuchungen in der Ostsee, dass die Verteilung des Plankton eine ziemlich[LXXXVI] gleichmässige ist. Diese gleichmässige Verteilung ist von Hensen in seiner Arbeit[102]: „Über das Vorkommen und die Menge der Eier einiger Ostseefische, insbesondere der Scholle, des Flunder und des Dorsch“ so erklärt. Trifft ein Stoss, z. B. eine Welle, ein schwimmendes Ei, so können zwei Fälle in Betracht kommen: erstens, ist der Stoss senkrecht, so wird das Ei in der Richtung des Stosses fortbewegt; zweitens, ist der Stoss unter einem Winkel auf das Ei gelangt, so schiebt eine Komponente des Stosses das Ei weiter, während die andere es dreht. So werden die Eier nach und nach auseinandergetrieben, wenn sie auch an einer Stelle der Oberfläche sich befanden, da ein Stoss nicht alle Eier in derselben Richtung trifft. Was für die Eier gilt, ist auch für die anderen Organismen des Plankton anzuwenden. So wird durch die Wellen, welche wie eine Schüttelbewegung wirken, die Zerstreuung besorgt. Diese Thatsachen hat Hensen auch noch direkt durch Experimente (siehe die gleiche Arbeit) erhärtet, indem er mehrere versilberte Glaskugeln, die so beschwert waren, dass sie gerade noch schwammen, in das Wasser versenkte und nach einiger Zeit wahrnahm, dass sie weit auseinandergetrieben waren.
[LXXXVI] In einer neuen Arbeit Hensens[104]: „Einige Ergebnisse der Plankton-Expedition der Humboldt-Stiftung“ heisst es: „... Die Expedition ging von der rein theoretischen Ansicht aus, dass in dem Ozean das Plankton gleichmässig genug verteilt sein müsse, um aus wenigen Fängen über das Verhalten sehr grosser Meeresstrecken sicher unterrichtet zu werden, und diese Voraussetzung hat sich weit vollständiger bewahrheitet, als gehofft werden konnte“.
Nachdem wir gesehen haben, was für weitgehende Schlüsse Hensen mit Hilfe seiner Planktonmethode, d. h. der Art und Weise der Gewinnung und Verarbeitung eines Planktonfanges, zu ziehen imstande war, wollen wir diese Methode[LXXXVII] näher ins Auge fassen.
[LXXXVII] Diese Methode hat in neuester Zeit von E. Häckel eine sehr absprechende Beurteilung erfahren; da jedoch schon von anderer Seite die Missverständnisse und Entstellungen der Häckelschen Schrift richtiggestellt sind, so gehe ich nicht weiter auf dieselbe ein, sondern verweise auf die Arbeiten Brandts[102] und Hensens.