Ich möchte daher den Leser bitten, mich auf einer Exkursion zu begleiten und nachher den Arbeiten am Lande beizuwohnen. Wir besteigen einen Dampfer und haben Zeit, ehe wir an Ort und Stelle anlangen, die Ausrüstung zu der „Planktonfahrt“ in Augenschein zu nehmen.
Vor allem fällt uns das grosse Vertikalnetz[LXXXVIII] auf ([Fig. 45] S. 262): An ihm können wir drei Teile unterscheiden, erstens das eigentliche konische Netz (A), dann den ebenfalls konischen Aufsatz (B) und drittens den Blecheimer ([Fig. 48] S. 265).
[LXXXVIII] Ich habe in folgendem die Masse des Netzes nach denen von der Plankton-Expedition auf dem Atlantischen Ozean verwendeten Apparaten wiedergegeben. Da, wo auf Süsswasserseen kein Dampfer zur Verfügung steht, müssten die Netze verkleinert werden, denn vom Boote aus ist es unmöglich, mit den fast 2 m hohen Netzen zu fischen.
Das eigentliche Netz ist folgendermassen gebaut:
An einem starken Eisenringe (S), der 90 cm Durchmesser hat, ist innen eine 5 cm grosse Falte von Barchent befestigt (r), deren äusserer Teil eine grössere Anzahl Knopflöcher trägt. Von hier soll nach dem untern Ringe (K) das weiterhin zu beschreibende Netzzeug ausgespannt werden. Dieser untere Ring (K) trägt drei gabelartige Vorsprünge, an welchen durch Überfallschrauben der Blecheimer befestigt werden kann. Auf diesem Ringe ist ein zweiter Ring (K1) durch mehrere mit Ösen versehene Schrauben (m) befestigt.
Fig. 45.
Das Gazenetz (i) trägt an seinem obern Rande einen Leinwandstreifen (l), welcher mit Knöpfen versehen ist, die in die oben erwähnten Knopflöcher der Barchentfalte hineinpassen[LXXXIX], unten ist das Netz an einen Barchentring angenäht, welcher an dem Messingringe (K) durch mehrere Schrauben (n) befestigt werden kann. Damit das feine Gazenetz nicht allein den Druck der filtrierenden Wassermasse auszuhalten hat, ist an seiner Aussenseite ein einfaches Fischernetz (f) ausgespannt, das oben an dem Ringe S mit Bindfaden angebunden ist und unten zwischen die beiden Ringe K und K1 geklemmt wird. Die beiden erwähnten Netze sind aber zu schwach, den an den Ringen K und K1 hängenden Eimer zu tragen, es sind daher zwischen S und den Schraubenösen (m) einige starke Schnüre (g) ausgespannt.
[LXXXIX] Es ist daher jederzeit möglich, das Netz herabzunehmen und auszuwaschen.
Bei der Wahl des Netzzeuges handelt es sich einerseits darum, dass die Löcher möglichst fein und gleichmässig sind, damit auch die kleineren Organismen nicht hindurchgehen können, anderseits auch darum, dass die Fäden des Gewebes nicht quellen und sich nicht verschieben können. Diese Bedingungen werden allein durch die Müllergaze erfüllt, die in mehreren Sorten in den Handel kommt, und sich durch die Grösse der Löcher unterscheidet. Diese Gaze ist aus Seidenfäden verfertigt und wird in Mühlen zur Trennung des Mehles nach der Korngrösse benutzt. Dieses Gewebe (Müllergaze Nr. 20) ist von solcher Feinheit, dass auf einen Quadratcentimeter Fläche 5926 Löcher kommen[XC], von denen jedes eine Seitenlänge von 0.053 mm hat. Mit diesem Netzzeug werden fast alle Organismen gefangen, nur wenige Diatomeen, die mit ihrer Längsachse auf ein Loch treffen, werden hindurchschlüpfen. Einen grossen Vorzug besitzt dieses Gewebe noch durch seine grosse Glätte, es bleiben einmal wenig Organismen daran hängen, dann auch fasert es nicht aus, so dass der Fang nicht durch Fäden verunreinigt wird.