| 300 | Raumteile | Wasser, |
| 100 | „ | einer konzentrierten wässerigen Lösung von Pikrinsäure, |
| 2 | „ | von konzentrierter Schwefelsäure. |
Fig. 49.
Der Fang kommt, wie weiter unten gezeigt werden soll, in diese Mischung und kann in derselben bleiben, wenn die Bearbeitung sogleich vor sich gehen soll. Muss der Fang jedoch einige Zeit stehen, so empfiehlt es sich, nachdem die Organismen zu Boden gesunken sind, die überschüssige Säure abzugiessen und durch Alkohol von 60% zu ersetzen, der mehrmals gewechselt werden sollte. Jedoch muss das mit der grössten Vorsicht geschehen, da noch zahlreiche Diatomeen in der Flüssigkeit suspendiert sind und sich sehr langsam absetzen. Bleiben die Organismen zu lange in der Säure, so werden die Kalksalze aus einigen ausgezogen und noch anderweitige Veränderungen bewirkt, die Tiere werden schliesslich ganz weich und sind für nachfolgende Bearbeitung wenig geeignet.
Ebenso wirksam ist eine konzentrierte Lösung von Sublimat; bei dieser tritt nur der Übelstand ein, dass man sehr lange mit Wasser[XCIII] auswaschen muss, um eine nachfolgende Ausscheidung nadelförmiger Sublimatkrystalle zu verhindern; natürlich muss das Wasser später durch Alkohol ersetzt werden.
[XCIII] Statt dessen kann man Jodalkohol benutzen, den man so lange wechseln muss, bis die Färbung des Jods nicht mehr verloren geht.
Wie andere Fixierungsmittel sich bewähren, kann ich nicht angeben, glaube aber, dass Osmiumsäure (event. Chromosmiumessigsäure) sehr gut anwendbar ist. Der Fang wird in ein Glas, in dem etwas Wasser sich befindet, gebracht und darauf einige Tropfen Osmiumsäure zugesetzt. Nach einigen Minuten oder sobald alle Organismen getötet sind, wird das Glas mit Wasser gefüllt, dann lässt man die Organismen sich absetzen, decantiert und setzt schliesslich Alkohol zu.
Von kleineren Apparaten sind noch vorhanden ein Spatel, eine Spritzflasche, eine Giesskanne und einige Papierzettelchen, die mit Bemerkungen versehen und in die Fanggläser gelegt werden können.
Unterdessen sind wir an dem Punkte angelangt, an dem wir die Untersuchung auszuführen gedenken. Das Schiff hält still und das Fischen kann beginnen. Das Tau, an dem das Vertikalnetz befestigt ist, wird über eine Rolle, die an einem galgenartigen, eisernen Gestelle angebracht ist, gelegt. Der freie Schenkel dieses sogenannten „David“ ragt über die Schiffswand hinaus und erleichtert, da die ganze Vorrichtung um ihre Achse drehbar ist, das Einholen des Netzes. Das Netz, an dem der Eimer angeschraubt ist, wird in das Wasser hinabgelassen, zuerst langsam, damit das Netzzeug angefeuchtet wird, dann etwas schneller. Die Hand, die das Tau leitet, kann leicht den Zug des sinkenden Netzes spüren und daher auch den Moment wahrnehmen, in welchem der Netzring auf dem Boden aufstösst. Um letzteres jedoch zu verhindern, ist es ratsam, vorher zu loten, dann kennt man die Wassertiefe und auch die Bodenbeschaffenheit, da sich Grundproben an dem unten mit Talg versehenen Lote eindrücken. Das Tau des Vertikalnetzes trägt in Entfernungen von je 1 m bunte Läppchen und alle 10 m anders gefärbte. Man kann also das Tau langsam ablaufen lassen, da man die gelotete Tiefe ablesen kann und kein Aufstossen zu befürchten braucht. Sobald das Netz in der Tiefe angelangt ist, wird es mit mittlerer Geschwindigkeit von ½–¾ m pro Sekunde senkrecht aufgezogen. Die Geschwindigkeit hängt von der Filtrationsgrösse[XCIV] des Netzzeuges ab. War z. B. das Netz 20 m hinabgelassen, so können wir, da die Netzöffnung 0.1 qm beträgt, die Wassermenge, die durch das Netz gegangen sein sollte, berechnen, sie ist 20×0.1 qm = 2 cbm gross. In Wahrheit ist jedoch etwas weniger Wasser filtriert worden, nämlich nur 1.8 cbm, wie Versuche von Hensen ergeben haben. 2 cbm würden durch den Netzring gehen, wenn kein Netz daran hinge, so wird aber durch den Widerstand des Netzzeuges jener Bruchteil (10%) über den Netzring abfliessen. Sobald das Netz über dem Wasserspiegel angelangt ist, wird dasselbe von aussen mit Wasser beworfen. Dadurch wird das dem Netze anhaftende Material in den Eimer hinabgespült, durch dessen filtrierende Fläche das überschüssige Wasser abläuft. Nun befinden sich alle Organismen im Eimer und zwar in einer verhältnismässig kleinen Wassermenge, die nun weiter zur Verarbeitung kommt.
[XCIV] [Planktonwerk] S. 10.