Der Eimer wird vom Netze gelöst, die Schraube, die sich in der Röhre am Boden des Eimers befindet, herausgedreht, so dass der Inhalt in eine darunter gestellte Flasche gelangt. Aus der Flasche kann man dann nach und nach die Masse in den Filtrator giessen. Diese Methode ist sicherer, als wenn man den Fang direkt aus dem Eimer in den Filtrator bringt, da bei schwankendem Schiffe leicht etwas vorbeilaufen kann.
Das Wasser sickert nun allmählich durch die Gazewände des Filtrators durch, und zwar verschieden schnell, je nach der Beschaffenheit des Fanges. Sind viel Diatomeen oder Nostocaceen (Limnochlide) vorhanden, so hat der Fang ein schleimiges Aussehen und filtriert sehr langsam. Sind dagegen Copepoden oder Peridineen am zahlreichsten, so läuft das Wasser sehr schnell ab, da sich die Poren des Netzzeuges nicht verstopfen. Nachdem auf diese Weise die Organismen ziemlich vollständig vom Wasser befreit sind, wird die Glasplatte, denn auf dieser hat sich jetzt der Fang niedergesetzt, unter dem Filtrator hervorgenommen und mit Spatel und Spritzflasche werden die Tiere und Algen in die Konservierungsflüssigkeit gebracht, in der sie bis zur Verarbeitung bleiben oder, wie oben auseinandergesetzt ist, in Alkohol übertragen werden. In jedes Glas wird ein Zettelchen gelegt, auf dem der Fundort, das Datum, die Tiefe des Planktonzuges, die Konservierung, die Temperatur des Wassers und allenfalls noch die Windrichtung angegeben sind.
Die nun folgenden Arbeiten, die die quantitative Bestimmung des Fanges bezwecken, werden ausgeführt, nachdem wir zu Hause angelangt sind. Zuerst wird das Volumen des Fanges festgestellt. Zu dem Zwecke wird der Inhalt eines einen Fang enthaltenden Glases in einen Messcylinder entleert. Nach und nach sinken die Organismen zu Boden, die grösseren schneller, die kleinen langsamer. Unter letzteren sind namentlich die Diatomeen zu erwähnen, diese setzen sich, wenn sie in grösseren Mengen vorkommen, so langsam ab, dass nach tagelangem Stehen noch immer eine Volumenverringerung zu beobachten ist. Befinden sich grosse Tiere im Fange, so muss bei diesen das Volumen besonders bestimmt werden und dieses geschieht am besten und genauesten durch „Verdrängung“, d. h. das Tier wird in einen Messcylinder hineingebracht, in dem sich eine bekannte Menge Flüssigkeit (Wasser — oder Alkohol, wenn der Fang in Alkohol war —) befindet, dann kann man durch das Steigen der Wasseroberfläche das Volumen des Körpers bestimmen. Meist hat sich die Masse in 24 Stunden so weit abgesetzt, dass das Volumen derselben abgelesen werden kann. Da die Volumenbestimmung zum Vergleiche der einzelnen Fänge unter sich dienen soll, so ist es zweckmässig, allen Fängen die gleiche Zeit zum Absetzen zu lassen und zwar genügen dazu 24 Stunden.
Nachdem so das Volumen des Fanges festgestellt ist, wird zur Zählung der Organismen geschritten. Es ist selbstverständlich, dass nicht alle Individuen des Fanges gezählt werden können, das beweisen schon folgende Zahlen, die ich Zählungen Hensens[XCV] entnehme: Hensen fand im Oktober 1884 in 1 cbm Ostseewasser (Kieler Bucht) 13 Millionen Ceratium tripos, und im März 1885 ebenda 102 Millionen Rhizosolenia semispina, und wenn wir gar lesen, dass im September sich im Stettiner Haff in ½ cbm Wasser 9983 Mill. Fäden von Limnochlide[XCVI] fanden, dann ist es klar, dass diese Zahlen auf anderem Wege gewonnen sind, als durch Zählung jedes einzelnen Individuums. Die sinnreich von Hensen erdachte und angewendete Methode ist folgende:
[XCV] Hensen, [Planktonwerk].
[XCVI] Die letzte Zahl entnehme ich einem Zählungsprotokolle von Herrn Geheimrat Hensen, das er mir freundlich für diese Arbeit überliess und das am Ende des Kapitels sich abgedruckt findet. Die folgenden Zahlen sowie Betrachtungen beziehen sich auf dieses Protokoll. Siehe auch Hensen [105].
Von dem Fange wird die überschüssige Pikrinschwefelsäure abgegossen und dann Wasser so viel zugesetzt, bis sich die Masse gut durcheinanderschütteln lässt. Befindet sich der Fang in Alkohol, so muss der Alkohol durch Wasser erst ausgewaschen werden, was mehrere Tage in Anspruch nimmt. Nehmen wir an, dass nach der Verdünnung das Volumen 500 ccm betrage, so ist es klar, dass sich in 1 ccm die verschiedenen Organismen nicht in der gleichen Zahl finden. Während wir vielleicht eine Leptodora finden, befinden sich in demselben Volumen gegen 20 Millionen Limnochlide. Um letztere zählen zu können nehmen wir von dieser ersten Verdünnung 1 ccm ab und verdünnen ihn auf 1000 ccm, dann haben wir in dieser zweiten Verdünnung in jedem Kubikcentimeter nur 200000001000 = 20000 Fäden der Alge. Von dieser Verdünnung können wir ⅒ ccm, der 2000 Fäden enthalten würde, bequem zählen. In dieser Wassermasse würden wir aber keinen einzigen der selteneren Organismen finden, daher dürfen wir, wenn wir diese zählen wollen, die Verdünnung nicht so weit treiben, sondern vielleicht 1 ccm der ersten Verdünnung nur auf 100 oder 10 ccm verdünnen, für die ganz seltenen werden wir aber die erste Verdünnung selbst zur Zählung benutzen.
Da, wie wir gesehen haben, sich in 1 ccm Flüssigkeit noch Millionen von Organismen vorfinden können, so muss das Entnehmen einer bestimmten Menge von Flüssigkeit durch ganz besondere Vorkehrungen geschehen; denn das Abmessen in einem Messcylinder kann für diesen Zweck nur ganz rohe Werte geben. Es sind daher von Hensen besondere Stempelpipetten[XCVII] ([Fig. 50]) konstruiert worden, die ganz Vorzügliches leisten. Solch ein Instrument besteht aus einem kräftigen Glasrohr (B), das unten ganz eben abgeschliffen ist. In diesem Rohr bewegt sich ein Stempel, der abwechselnd aus Kork- (h) und Metallplatten (i) zusammengesetzt ist, die durch zwei Schrauben fest an einander gedrückt werden. An diesen Stempel ist ein massiver Metallcylinder (m) angeschraubt, der genau in die Glasröhre hineinpasst. Von diesem Cylinder wird nun so viel Metall ausgeschliffen, dass zwischen ihm und dem Glasrohr (B) genau ein bestimmtes Volumen bleibt, z. B. 1 ccm. Dies wird so bewerkstelligt, dass zuerst ein Teil aus dem Metallcylinder herausgenommen wird. Dann wird die Pipette gewogen, hierauf wird die Höhlung mit Quecksilber gefüllt und wieder gewogen. Da man nun das Gewicht eines Kubikcentimeters Quecksilber kennt, so kann man genau den Punkt treffen, wo die Höhlung im Stempel 1 ccm fasst. Es sind von diesen Stempelpipetten sechs verschiedene Grössen zum Gebrauche nötig, nämlich zu 0.1; 0.2; 0.5; 1; 2.5; 5 ccm. Diese Pipetten werden so angewendet, dass sie mit vorgestossenem Stempel in ein durch einen durchbohrten Kork verschlossenes Glas mit starken Wandungen (A), in dem die Flüssigkeit sich befindet, von der ein Teil entnommen werden soll, hineingestellt werden (siehe [Fig. 50]). Die Masse wird durch kräftiges Schütteln aufgerührt, und sobald sich die Organismen möglichst gleichmässig verteilt haben, wird das Glasrohr B niedergestossen; dann ist zwischen dem Glasrohr und dem Stempel m ein genau bekanntes Volumen Flüssigkeit eingeschlossen. Ehe man jedoch diese Flüssigkeitsmenge entleert, ist es nötig, den unteren Rand des Glasrohres mit Fett zu bestreichen, da sonst leicht ein Tropfen daran hängen bleiben kann. Nach Entleerung des Volumens wird dann noch mit einigen Tropfen Wasser nachgespült, so dass man sicher sein kann, dass keine Organismen zurückgeblieben sind. Dieses abgemessene Volumen wird dann zur Verdünnung benutzt resp. gezählt.
[XCVII] Hensen, [Planktonwerk] S. 16.