Es fehlte an nichts, und nach einem Weilchen steckte sie den Kopf durch die Tür, ihm das zu sagen, gab ihm die Hand und wünschte ihm Gutenacht. Dann machte sie die Tür zu, und er kehrte wieder ins Wohnzimmer zurück, wo er gleich darauf die Lampe auslöschte und sich aufs Sofa streckte, den Revolver dicht neben sich, wie er manch liebes Mal unter dem weiten blauen australischen Himmel getan. —
Ein fast ebenso blauer Himmel grüßte ihn, als er am nächsten Morgen erwachte — das Gewitter war ganz vorüber, und die Sonne schien hell. Er stand leise auf und horchte an der Schlafstubentür, aber außer Gräfin Florences leichtem Atmen, das sein scharfes Ohr vernahm, ließ sich drinnen kein Laut hören. Sie schlief anscheinend. Er schob den Riegel der Haustür vorsichtig zurück, damit er sie nicht störe, und verbrachte die Zeit, die bis zu Frau Youngs Eintreffen verging, damit, im Sonnenschein auf und ab zu gehen.
So hell und warm die Sonne auch schien, denn sie stand schon hoch, — ihm hatten die ersten Nachtstunden keinen Schlummer gebracht, und er hatte viel länger als sonst geschlafen, — so hatte sie doch die nassen Spuren des Gewitters noch lange nicht aufgetrocknet. Der Weg, in dem er auf und nieder schritt, war ein rieselnder Bach; eine große Wasserlache stand jenseits der Pforte; die Gartengewächse, Blumen sowohl wie Gemüse, lagen ganz verregnet, beschädigt und geknickt da. Einmal blieb Leath stehen und sah sich um.
»Da sie überhaupt hier Zuflucht gesucht,« sagte er laut, »freut es mich, daß das Gewitter so heftig gewesen. Ja — je schlimmer es war, desto besser.«
Frau Young erschien bald darauf und war sehr verwundert, ihren Herrn ihrer wartend zu finden. Sie erging sich in wortreichen Entschuldigungen über ihr Ausbleiben am vorigen Abend. Leath schnitt ihr ohne Umstände das Wort ab, führte sie in die Küche und setzte sie dort von Gräfin Florences Anwesenheit in Kenntnis. Dann frühstückte er hastig im Stehen, sattelte sein Pferd und schlug den Weg nach Turret Court ein. Er ritt im schlanken Trabe, denn ihm lag daran, die unangenehme Aufgabe, die er vor sich hatte, möglichst schnell zu erledigen.
Nachdem er, so rasch es der Zustand der durchweichten Wege gestattete, an seinem Bestimmungsorte angelangt war, fragte er pflichtschuldigst nach Lady Agathe. Der Diener, der den frühen Besuch verwundert anstarrte, wußte nicht gewiß, ob die Gräfin schon unten sei, und ersuchte ihn, näherzutreten und zu warten, während er sich erkundigte. Leath trat in das bezeichnete Zimmer und wurde dort allein gelassen.
Es war die Bibliothek, und er schaute sich voll Interesse um. Bei dem einen unglücklichen Besuch, den er Turret Court abgestattet, war der Speisesaal das einzige Zimmer gewesen, das er betreten. Dies Gemach gefiel ihm besser: groß und hoch, war es ein schöner Raum.
Nachdem er einen allgemeinen Überblick gewonnen, trat er an eines der Bücherregale und musterte die Titel der dort aufgereihten Bände. Da öffnete sich die Tür, und er wandte sich um. Aber nicht Lady Agathe, sondern Sir Jasper selbst trat ein.
War ihm die Bestellung gemacht worden, oder hatte er einfach seine Frau den Mann nicht empfangen lassen wollen, dem gegenüber er es für gut befunden, eine bittere und durch nichts veranlaßte Abneigung zur Schau zu tragen? Beide Fragen legte sich Leath vor, während er sich umwandte. Beide wurden sofort beantwortet. Sir Jasper hatte nichts von seiner Anwesenheit in dem Zimmer gewußt, denn als ihre Augen sich begegneten, trat ein Ausdruck der Wut, des Staunens und — ja, war es des Schreckens? — in sein glattes, schönes Antlitz. Sein jähes Erblassen ließ allerdings auf ein Erschrecken schließen.
Er stieß einen heiseren Wutschrei aus und sprang mit erhobener Hand auf den anderen zu, als wolle er ihn niederschlagen.