»Du mußt doch wissen, daß ich nur deinetwegen so besorgt und bekümmert bin,« rief sie schluchzend aus. »Ach, es ist eine unleidige Geschichte! Ich hoffe nur, daß sie der Herzogin nicht zu Ohren kommt. Und mir ist bange; es wird ganz unmöglich sein, sie vor Chichester geheimzuhalten!«

»Ganz unmöglich! Ich selbst will sie, wenn nötig, Chichester erzählen.«

»Er ist so merkwürdig — so eigen,« jammerte Lady Agathe, »und unglücklicherweise — ich muß sagen, es war sehr unrecht und unvorsichtig, mein Kind — haben dich die Leute mit diesem Herrn Leath auf der Halde sprechen sehen. Chichester erwähnte es erst gestern gegen mich und schien sehr verstimmt darüber, und was er sagen wird, wenn er von dieser —«

Sie brach ab. Florence, die nicht mehr ertragen konnte, wandte sich mit jäh ausbrechender Heftigkeit zu ihr.

»Was kann er zu sagen wagen?« rief sie. »Was kann irgend jemand, sei es Mann oder Weib, über mich zu sagen wagen? Wir haben genug der Worte verloren, Tante Agathe — mehr als genug — ich will nicht mehr hören!«

Lady Agathe war zu erschrocken, um weiter zu reden. Sie weinte auf der Rückreise nach Turret Court in ihrer Wagenecke leise vor sich hin, während die kleine Cis ihr gegenüber blaß und bekümmert aussah und Florence, die mit bleichen Wangen und zornigen Augen aufrecht dasaß, kein Wort sprach. —

15.

Als Everard Leath Turret Court verlassen, war er geraden Weges über die Halde nach dem Bungalow geritten. Es führte ihn kein besonderer Grund dorthin; er hatte nur das unbestimmte Gefühl, daß es besser sei, er kehre nicht in seine Behausung zurück, bis Gräfin Florence sie verlassen und die unglückselige Episode vorüber sei. Obwohl er sich immer wieder sagte, daß er sich der Macht der Umstände hatte fügen müssen, daß die Sache nicht zu vermeiden gewesen, so ertappte er sich doch fortwährend auf dem peinlichen Gedanken, daß Chichester beschränkt, argwöhnisch und ein Narr sei, und sagte sich, daß, wenn er hätte voraussehen können, was geschehen würde, er sich lieber die Hand abgehackt hätte, als auf die Halde zu gehen, wo er wußte, daß er dort Florence Esmond begegnen konnte.

Er bog in den Garten des Bungalow ein, ließ ein Pferd in Joes Obhut und ging auf das Haus zu. Überall waren auch hier die Spuren des Unwetters sichtbar — die Blumen waren alle verregnet und geknickt, der Kies war aus den sauber gehaltenen Wegen hinweggeschwemmt. Herr Sherriff stand in der Veranda und schüttelte beim Anblick der Verwüstung traurig den Kopf. Aber sein mildes altes Gesicht hellte sich beim Näherkommen des jungen Mannes auf, und er reichte ihm mit einem Lächeln die Hand. Dann fragte er nach einem Blick in die ernsten Züge des anderen:

»Ist irgend etwas nicht in Ordnung, Leath?«