»O, liebes Kind, weshalb bist du nicht in Brentwood geblieben, wie wir natürlich angenommen haben?«
»Weil ich eigensinnig und tollkühn war und geglaubt habe, ich würde vor Ausbruch des Gewitters heimgelangen,« antwortete Florence kurz. Sie stand in aufrechter Haltung da; ihre grauen Augen blitzten. »Ich gebe zu, daß es töricht war, den Versuch zu unternehmen. Ist Onkel Jasper deshalb so schrecklich böse? Er sollte doch meine Unbesonnenheit gewohnt sein!«
»Deshalb natürlich nicht, liebes Kind!« Lady Agathes Kummer war zu groß — sie begann zu weinen. »Du mußt doch verstehen, wie ich es meine, Florence. Du bist kein Kind mehr, obwohl du so unbesonnen bist. Du mußt wissen, daß dein Hierbleiben, in diesem elenden Hause, bei Herrn Leath — einem Menschen nebenbei, von dem niemand irgend etwas weiß, besonders, wo dein Onkel ihn so gar nicht leiden kann, — nicht — nicht —«
»Passend war!« ergänzte Florence kalt. »Das schien Herr Leath ebenfalls zu finden. Wenigstens sagte er es mir.«
»Er sagte es dir?« wiederholte Lady Agathe entsetzt.
»Ja. Ich war sehr böse darüber, aber er scheint die Sache richtiger aufgefaßt zu haben als ich. Er wollte durchaus in das Unwetter hinaus und mich hier lassen; er wollte nach dem Bungalow. Ich willigte ein, obgleich ich es ebenso albern und überflüssig fand, wie ich es jetzt noch finde. Aber wir entdeckten, daß sein dienstbarer Geist nicht hier sei: das Gewitter hatte ihn in St. Mellions zurückgehalten. Da wollte ich ihn nicht gehen lassen; mir war bange, hier allein zu bleiben.«
»Seine Dienerin — die Person, die die Haustür aufmachte — war nicht hier?« rief Lady Agathe.
»Nein. Bis zum Morgen, wo sie wiederkam, war niemand hier — niemand außer uns beiden,« antwortete Florence. Sie war jetzt sehr blaß; ein Lächeln, das sehr verschieden von ihrem gewöhnlichen Lächeln war, spielte um ihre Lippen. Cis blickte sie fast erschrocken an.
»Ach, großer Gott!« jammerte ihre Mutter mit schwacher Stimme. »Es ist sogar noch schlimmer, als ich geglaubt habe, Florence. O, sieh nicht so böse aus, liebes Herz! Du weißt, ich mache dir keine Vorwürfe — ich denke nur daran, was die Leute sagen werden. Und in Rippondale wird so viel geklatscht — das weißt du recht gut! Natürlich ist es nicht deine Schuld, daß du hierher kamst, aber du hättest nicht bleiben sollen — wirklich nicht.«
Florence verteidigte noch einmal ihre Handlungsweise und die des Herrn Leath. Sie bebte vor Zorn und Ärger und verletztem Stolze. Bei einem Blick auf sie brach Lady Agathe aufs neue in Tränen aus.