Gräfin Florence, die beim Frühstück saß, das die verwunderte und noch immer bestürzte Frau Young sorgfältig für sie hergerichtet hatte, hörte Räderrollen auf der durchweichten Landstraße und sah den Wagen vor der kleinen Pforte halten, durch die sie am vorhergehenden Abend auf ihrem erschreckten Pferde geritten. Es war klar, daß sie erwartet, eine dritte Gestalt neben ihrer Tante und Cousine zu sehen, denn ihr Gesicht umwölkte sich auf einen Augenblick.
Die Pforte war zu eng, um den Wagen durchzulassen, und Lady Agathe stieg, auf den Arm des Bedienten gestützt, vorsichtig aus. Cis dagegen bedurfte keiner Hilfe und lief den schlammigen Pfad hinauf, während Florence ihr bis an die Tür des Zimmers entgegeneilte und von der warmherzigen kleinen Cousine mit einer herzlichen Umarmung begrüßt wurde.
»O Florence, was für ein Abenteuer!« rief Cis und drückte sie innig an sich. »Und welch ein Glück, daß Herr Leath hier war! Du hättest in Brentwood bleiben sollen. Wie furchtbar, von dem Unwetter überrascht zu werden! Als ich Herrn Leath meinem Vater davon erzählen hörte, fiel ich fast in Ohnmacht.«
»Das wäre unnötig gewesen, Liebste,« meinte Florence lächelnd und erwiderte den Kuß ihrer Cousine aufs innigste. »Mir hat es nicht geschadet, wie du siehst. Ist Herr Leath nicht mit euch zurückgefahren?«
»Er wollte nicht. Vielleicht ist Vater wieder wunderlich gegen ihn gewesen — ich glaube es fast. Er erzählte mir, er habe dich heute morgen noch nicht gesehen, und ich meinte, du würdest ihm gewiß gern danken wollen, aber davon nahm er weiter keine Notiz — du weißt, was er für ein sonderbarer, halsstarriger Mensch ist. Er sagte, er wolle nach dem Bungalow reiten, und bat mich deshalb, ihn zu entschuldigen, was ich hiermit tue, mein Herz! Welch ein kahles, häßliches Zimmer, nicht wahr? Wie in aller Welt kann er hier nur allein hausen? Mich würde es verrückt machen! Dich nicht auch?«
Florence antwortete nicht. Lady Agathe kam langsam den Gartenpfad herauf, und sie hatte einen Blick auf ihr blasses, verstörtes Gesicht geworfen. Mit schnell gerunzelten Brauen wandte sie sich nach ihrer Cousine um.
»Cis, was fehlt Tante? Sie sieht aus, als hätte sie geweint.«
»Ach, ich weiß nicht! Sie hat sich sehr aufgeregt,« meinte Cis inkonsequent.
Lady Agathes Eintritt verhinderte Florence, die plötzlich bleicher geworden, an einer Antwort. Sie ging der Eintretenden mit blitzenden Augen entgegen.
»Es tut mir leid, Tante Agathe, daß du dich zu so ungewöhnlich früher Stunde herausgemacht hast! Es wäre genug gewesen, wenn Cis mich abgeholt hätte, wenn es nötig war, daß überhaupt jemand kam. Nimm diesen Korbstuhl — er ist sehr bequem; ich habe gestern den ganzen Abend darin gesessen.«