»Ich meine, was ich sage,« antwortete sie, »und ich wenigstens verstehe dich. O, glaubst du, ich durchschaute dich nicht? Was macht dir Sorge? Daß ich, ein hilfloses Mädchen, vielleicht von all denen, die mich kennen, schändlich verleumdet werde? Nein, nein! Nur, daß ich deine Braut bin, ein Teil deiner selbst, dein Eigentum, und daß deshalb jeder Stein, der auf mich geworfen wird, auch dich trifft! O, ich weiß — ich weiß! Es ist genug, Herr Chichester — auf Sie soll auch nicht der leiseste Schatten meiner Schande fallen.« Sie zog in ungestümer Heftigkeit den Verlobungsring vom Finger und hielt ihn ihm hin: »Ich bin Ihre Braut nicht länger! Ich gebe Ihnen Ihr Wort zurück, und Sie sind frei!«
»Florence!«
Er wurde jetzt bleich und griff nach ihrer Hand und dem Ringe zusammen und hielt beide fest. »Das kann dein Ernst nicht sein? Besinne dich! Wenn unsere Verlobung jetzt gelöst würde —«
»Sie ist gelöst!« Sie entzog ihm ihre Hand. »Nehmen Sie Ihren Ring zurück, Herr Chichester! Ich werde nie und nimmer Ihre Frau.«
»Aber bedenke doch — ums Himmels willen!« Er trat vor ihrer ausgestreckten Hand, auf deren Innenfläche der blitzende Ring lag, zurück. »Bedenke, welche Wirkung es haben wird, wenn unsere Verlobung jetzt zurückgeht! Das wird den schlimmsten Vermutungen Raum geben und sie zu bestätigen scheinen.«
»Das muß dann seinen Lauf haben. Ich weiß, daß es so sein wird. Noch einmal, nehmen Sie Ihren Ring zurück!«
»Du bist fest entschlossen? Du willst dich nicht besinnen? Nicht überlegen —?«
»Es gibt Dinge, bei denen es keiner Überlegung bedarf. Ein- für allemal, Herr Chichester, ich will Sie nicht heiraten. Und zum drittenmal, nehmen Sie Ihren Ring zurück!«
Er antwortete nicht. Er schaute sie an, wie sie in aufrechter Haltung, mit hochgetragenem Haupte und stolz blickenden Augen vor ihm stand. Ihre höhnische Verachtung hatte ihm das Blut in die Wangen getrieben, aber ihre Schönheit beschleunigte noch seinen Pulsschlag. Nein — er liebte sie nicht, aber es war schwer, ihren Liebreiz zu verlieren. Er schritt zweimal durch das Zimmer, ehe er wieder vor ihr stehen blieb.
»Florence, ich bitte dich noch einmal, diesen Entschluß in Erwägung zu ziehen! Denke an die Folgen, wenn du jetzt unsere Verlobung löst. Ich meinerseits habe mich vielleicht zu stark ausgedrückt. — Gib mir dein Wort, daß du diesen Menschen, diesen Leath, nie wiedersehen, nie wieder eine Silbe mit ihm sprechen willst, und ich —«