»Nein — ich gehe, um anderswo meine Nachforschungen fortzusetzen, das ist alles.«
»Es ist seltsam!« Florence zog die Brauen zusammen. »Sie waren so sicher, daß er hier sei — so fest überzeugt davon! Sie haben mir nie gesagt, ob Sie ihn erkennen würden, wenn Sie ihm begegnen sollten.«
»Ihn erkennen? Ich habe ihn nie im Leben mit Augen gesehen!«
»Nein?« Ihr Gesicht verriet grenzenlose Überraschung. »Was ist er Ihnen denn, Herr Leath?«
»Das, verzeihen Sie, ist mein Geheimnis, Gräfin.«
»Es wird nicht weniger Ihr Geheimnis sein, wenn Sie es mir sagen. Ich habe kein Recht, Sie darnach zu fragen, das weiß ich wohl — ich weiß kaum, weshalb ich es tue. Mich geht es nichts an.« Sie blickte ihn an. »Nein, sagen Sie es mir nicht, — Sie haben völlig recht, es mir abzuschlagen und Ihr Schweigen zu bewahren. Ich bitte Sie um Entschuldigung. Ich frage Sie nicht.«
Jedem anderen Fragesteller gegenüber würde er stumm geblieben sein; ihr gegenüber blieb er es nicht. Er sagte es ihr mit zwei Worten. Florence fragte nicht weiter. Sein Aussehen verbot das. Schweigend reichte sie ihm zum Abschied die Hand; schweigend hob er sie auf ihr Pferd, und noch immer schweigend und verwundert ritt sie davon und ließ ihn allein.
17.
»Hoffentlich ist mein Besuch Ihnen genehm, Herr Sherriff, obgleich Sie nach Ihrem gestrigen Anfall wohl eigentlich kaum wohl genug sein werden, um auf zu sein,« sagte Everard Leath freundlich.
Er war infolge eines am gestrigen Tage gegebenen Versprechens nach dem Bungalow herübergeritten und hatte sich sogleich in das trauliche Wohnzimmer des Hausherrn begeben, dessen bis auf den Boden hinabreichende Fenster auf die von Schlingpflanzen umrankte Veranda und den sonnigen Garten dahinter hinausführten. Der alte Herr, der in seinem großen Stuhle saß, hatte seinen Freund mit einem Lächeln willkommen geheißen, war aber nicht aufgestanden und ihm entgegengegangen. Seine Augen blickten trübe, sein schönes altes Gesicht war eingefallen und blaß, die Hand, die sich dem jungen Manne entgegenstreckte, war kalt und zitterte. Solche Symptome stellten sich immer nach den Ohnmachtsanfällen ein, an denen er hin und wieder litt, und der Anfall am gestrigen Tage war ungewöhnlich schwer gewesen. Er selbst machte nicht viel Aufhebens von diesen Anwandlungen — die Tatsache, daß er an einer Herzschwäche litt, die auch wahrscheinlich einst die Ursache seines Todes sein würde, beunruhigte ihn nicht; denn er wußte es seit vierzig Jahren.