»Es ist schön, daß Sie kommen, mein alter Junge. Ich habe Sie erwartet,« antwortete er mit zitternder Stimme, während er wieder in seinen Sessel sank. »Ich bin noch nicht ganz wieder der alte. Die gestrige Erschütterung —«

»Greift es Sie auch nicht zu sehr an, davon zu reden?« warf Leath dazwischen.

»Nein, nein! Es läßt mir keine Ruhe! Seitdem ich gestern wieder zu mir kam, habe ich mich gefragt: ›Ist es wahr? Kann es wirklich wahr sein?‹ Setzen Sie sich, lassen Sie sich ansehen, Everard! Wie geht es zu, daß ich in Ihrem Antlitz nie jenes andere Antlitz, dessen ich mich so gut erinnere, gesehen habe? Sie sind Marys Sohn — meiner Mary Sohn!«

Eine wehmütige Zärtlichkeit klang aus seiner Stimme, während seine Augen erregt in den ernsten, gefaßten Zügen des Jüngeren forschten, die, so ernst sie auch waren, doch eine gewisse Weichheit des Ausdrucks zeigten, die ihnen sonst fremd war. Ihn rührte die tiefe Bewegung seines Gefährten, rührte die Treue, die noch nach mehr als dreißig Jahren der einst Geliebten ein solches Gedenken bewahrte. Er drückte die Hand, die die seine umschloß.

»Sehen Sie keine Ähnlichkeit?«

»Ich glaube doch. In der Bildung der Stirn und dem Ausdruck des Mundes liegt etwas, das mich an Mary erinnert. Aber es liegt mehr Härte darin als je bei ihr. Indessen, Sie sind ein Mann — Sie haben ein schweres Leben hinter sich — das vergesse ich. Mary war ein junges Ding, als sie von mir ging — so rosig und weichherzig wie ein Kind. Zu denken, daß ich die Hand ihres Kindes halte! Ich kann mich nicht auf mein Gedächtnis verlassen. Everard, haben Sie mir je in einem unserer Gespräche erzählt, daß Sie Ihre Mutter verloren hätten — daß Mary tot ist?«

»Ja, das habe ich Ihnen erzählt. Sie ist vor acht Jahren gestorben.«

»Vor acht Jahren! Und ich sitze hier und erfahre es erst heute! Und wie hat sie Sie zurückgelassen? Allein?«

»Ganz allein.«

»Sie haben keine Geschwister gehabt?«