»Gräfin,« sprach er mit fester Stimme. »Ich habe eben etwas Unrechtes gesagt. Sie fordern viel von mir, aber nicht zu viel. Es gibt einen Preis!«
19.
»Es gibt einen Preis,« wiederholte Everard Leath, »Sie können mein Schweigen erkaufen, wenn Sie wollen.«
So ruhig die Worte auch gesprochen wurden, so vernahm die Schluchzende sie doch, ließ vor Verwunderung die Hände herabsinken und wandte ihm ihr von Tränen überströmtes Gesicht zu. Hatte er das wirklich gesagt? Meinte er das so? Das Herz schien ihr fast stillzustehen und klopfte dann wieder ungestüm, als sie ihn ansah. Mit seinem Aussehen war eine Veränderung vorgegangen; sein Antlitz war gerötet, seine Augen blickten glänzend und lebhaft. Sie rang nach Atem, während sie ihn mit weitgeöffneten Augen anstarrte, und umklammerte die Armlehne ihres Stuhles. Hatte er wirklich gesagt, daß er schweigen, daß er barmherzig sein wollte? Er hub wieder an:
»Es gibt einen Preis — alle Menschen sind zu erkaufen, wie man sagt, und das mag wahr sein. Jedenfalls verhält es sich mit mir so. Sie vergaßen, daß Geld an sich nichts ist — für Ihr Vermögen, wäre es auch zwanzigmal so groß, würde ich das, was Sie von mir heischen, nicht hergeben. Nichtsdestoweniger können Sie mein Schweigen erkaufen, wenn Sie wollen!«
»Wenn ich will? Sie wissen, daß ich will! Habe ich das nicht schon gesagt?«
Sie hatte nicht die leiseste Ahnung von dem, was er meinte, als sie zitternd, mit gespanntem Ausdruck in den Augen aufstand. »Sagte ich nicht, daß ich fast mein Leben dafür hingeben würde, wenn ich sie dadurch retten könnte? Aber welchen Preis außer meinem Gelde habe ich Ihnen zu bieten?«
»Das wissen Sie nicht?«
»Nein. Was — was?«
»Sich selbst,« sprach er gelassen.