»Mich selbst?«

Wie ein Hauch kamen ihr die Worte von den Lippen, während sie in ihren Stuhl zurücksank und ihn noch immer völlig verständnislos anstarrte. Aber als er ihr fest in die Augen sah, schoß eine heiße Blutwelle ihr ins Antlitz, und sie errötete bis zu den Haarwurzeln — sie verstand ihn! Er sah es und schwieg einen Augenblick, um ihr Zeit zu geben, sich zu fassen.

»Um diesen Preis werde ich schweigen,« hub er wieder an. »Ich weiß, es ist der höchste, der mir geboten werden könnte, aber auch der niedrigste, den ich annehmen will. Geben Sie mir jetzt Ihr Wort, daß Sie mein Weib werden wollen, und ich schwöre Ihnen, daß kein Wort über meine Lippen kommen soll.«

Sie sagte nichts und rückte in ihrem Sessel nur noch weiter von ihm fort. Sie sah aus wie ein geängstigtes Kind. Als er diese Bewegung wahrnahm, sprach er mit bitterem Auflachen:

»O, ich weiß, daß Sie sich nichts aus mir machen! Das brauchen Sie mir nicht erst zu sagen. Ich habe Ihnen, der Tochter und Erbin eines Grafen, bis zu diesem Augenblicke niemals als ein Ebenbürtiger gegenübergestanden, Gräfin Florence. Wie sollten Sie sich etwas aus mir machen? Und Sie gehörten einem andern; ich habe nicht einmal wagen dürfen, um Sie zu werben. Aber gestatten Sie mir das jetzt, Florence! Lassen Sie mich Sie lehren, wovon Sie ebensowenig wissen wie ein Kind, — was eines Mannes Liebe sein kann, und ich schwöre Ihnen, Sie sollen mich noch liebgewinnen. Ich bin nicht wie jener fischblütige Narr, dem Sie den Laufpaß gegeben haben. Ich — aber ich erschrecke Sie. Ich will ganz ruhig sein. Ich will warten, bis Sie zu mir sprechen können.«

Erstaunt und erschrocken über sein wie umgewandeltes leidenschaftliches Antlitz, seine leuchtenden Augen, seine beredte Sprache war sie, als er sich über sie beugte, noch weiter von ihm zurückgewichen. Er ging zweimal im Zimmer auf und nieder, ehe er weitersprach. Sie hatte ihre Stellung verändert und saß mit fest zusammengepreßten Händen aufrecht da.

»Können Sie mich jetzt anhören?« fragte er ruhig.

»Ja.«

»Was also ist Ihre Antwort — ja oder nein?«

»Wenn es ›Ja‹ ist, schwören Sie, zu schweigen?«