»Ich will nicht, daß Sie sich übereilen,« sagte er ruhig; »wenn Sie sagen: ›Gib mir bis morgen Zeit‹, so will ich warten. Aber es ist nicht anzunehmen, daß Sie mich dann weniger hassen werden, noch wird der Preis meines Schweigens bis dahin ein geringerer oder höherer geworden sein.«

»Ich weiß, Sie halten mich für brutal, — ich fürchte, ich bin es auch, — aber die Umstände entschuldigen mich vielleicht ein wenig. Unfreundliche oder kalte Worte würde ich aus freier Wahl nicht gerade Ihnen gegenüber brauchen. Darüber sollen Sie sich nicht zu beklagen haben, wenn Sie erst meine Frau sind. Ich stelle meine Frage noch einmal — ist Ihre Antwort ›Ja‹ oder ›Nein‹?«

Er wußte die Antwort, und sie ebenfalls — es konnte nur eine geben. Sie sagte nichts — Lippen und Zunge waren ihr wie ausgedorrt — aber langsam, sehr langsam und scheu hielt sie ihm die Hand hin. Er nahm sie, umschloß sie mit festem Drucke während eines Augenblickes und ließ sie dann los.

»Sie sollen Ihren Entschluß nie zu bereuen haben,« sprach er. »Von dieser Stunde an wird es meine Aufgabe sein, Sie so glücklich zu machen, wie nur ein Weib, das den Mann liebt, der sie wieder liebt, sein kann. Was das Ziel meines Lebens gewesen, ist jetzt vorüber und abgetan — ich gewinne unendlich, wenn Sie mir dafür gegeben werden.«

Sie gab ihm keine Antwort; sie zitterte heftig; wiederum war sie nahe daran, in hysterisches Weinen auszubrechen. Er rollte den Stuhl heran, auf dem sie sich niederließ.

»Sie sind mit Ihrer Kraft zu Ende,« sagte er, »und das ist kein Wunder! Ich darf Sir Jaspers Papiere nicht umherliegen lassen; ruhen Sie sich aus und erholen Sie sich, während ich sie forträume. Wenn Sie bereit sind, will ich Sie nach Turret Court begleiten. Ich habe Ihnen noch etwas zu sagen, ehe wir auseinandergehen.«

Florence machte keine Einwendungen. Sie setzte sich wieder — mit dem hilflosen Gefühl, daß ihr nichts anderes übrigblieb — daß ihr nie wieder etwas anderes übrigbleiben würde, als sich den Umständen zu fügen, da sie einmal eingewilligt, Everard Leaths Weib zu werden. Sie würde bald aus ihrer dumpfen Betäubung erwachen, würde sich zu leidenschaftlicher Empörung aufraffen, aber jetzt hatte sie keine Kraft, gegen das Unvermeidliche zu kämpfen. Sie konnte nicht einmal hoffen, zu sterben, denn wenn sie stürbe, würde dieser schreckliche, unerbittliche Mensch, der sie bei all seiner mitleidlosen Hartherzigkeit unerklärlicherweise so liebte, keinen Grund haben, zu schweigen — er würde die furchtbare Wahrheit aussprechen, die zu verkünden in seiner Macht stand. Nein, sie mußte ihn lieben und heiraten. So sehr sie ihn auch hassen mochte, sie mußte sein Weib werden.

Sie erhob keinen Widerspruch, als er zu ihr trat und sie fragte, ob sie den Heimweg antreten wolle. Gehorsam stand sie auf und setzte ihren Hut auf. Hatte er doch das Recht, mit ihr zu gehen — war er nicht ihr zukünftiger Gatte? Die ganze Welt schien aus den Fugen zu sein.

Sie wanderten in fast ungebrochenem Schweigen über die Halde — sie sprach aus freien Stücken keine einzige Silbe — und doch war alles, was er noch auf dem Herzen gehabt hatte, lange ehe sie Turret Court erreichten, gesagt worden. Es hatte nur weniger deutlichen Worte bedurft. Er blieb stehen, als das Haus in Sicht kam, obwohl, wenn er es an ihrer Seite hätte betreten wollen, sie sich in ihrer augenblicklichen Gemütsverfassung auch darein ergeben haben würde.

»Ich will jetzt umkehren,« meinte er, »es würde Sir Jasper ebensowenig lieb sein, mich in seinem Garten anzutreffen wie in seinem Hause. Aber ich will nur umkehren, wenn Sie dabei bleiben, daß Sie es vorziehen, selbst mit ihm zu reden.«