»Es ist nicht wahr!« widersprach sie mit einer heftigen Bewegung »Ich hatte nie an so etwas gedacht.«
»Nein. Das glaube ich. Wer war ich, daß ich Sie lieben sollte? Aber Sie wissen es jetzt.«
Sie würde es geleugnet haben, hätte sie es vermocht, aber sie begegnete seinen Augen, und die Worte erstarben ihr auf den Lippen. Ja, es war wahr — er liebte sie; sein Blick, seine Stimme waren eine Offenbarung. Sie mochte schaudern, mochte sich dagegen auflehnen, aber sie mußte es glauben — er zwang sie dazu. In all ihrer Aufregung, ihrer Angst, ihrem Zorn mußte sie Talbot Chichesters gedenken, des Mannes, der sie auch geliebt haben sollte, und sie hätte in all ihrem Jammer fast auflachen können. Sie stand auf, stützte sich mit der Hand auf ihren Stuhl und begegnete dem Blick, der sie erbeben machte, dem sie aber nicht ausweichen wollte.
»Machen Sie es sich klar,« sprach sie langsam, »daß ich Sie fast hasse, Herr Leath?«
»Augenblicklich ja, Gräfin Florence — völlig.«
»Und obwohl Sie das wissen, sind Sie willens, mich zu heiraten?«
»Ich liebe Sie, und ich weiß wenigstens, daß Sie keinen andern lieben. Und möge Ihr Gefühl für mich sein, was es wolle, so ist es nicht Verachtung. Die Sache keines Mannes ist einer Frau gegenüber hoffnungslos, solange das nicht der Fall ist,« antwortete Leath kaltblütig. »Sie stellen mir die Frage, und ich beantworte sie. Angesichts Ihres Hasses, Ihres Grolles, Ihrer Empörung — nennen Sie es, wie Sie wollen — bin ich willens. Ich will mich des Wortes bedienen, da Sie es gebraucht haben.«
»Sie haben wenigstens Mut.« Sie blickte ihn wieder voll Verachtung an. »Die meisten Männer würden es sich, glaube ich, zweimal überlegen, ehe sie unter solchen Bedingungen eine Frau nehmen.«
»Nein, Gräfin Florence, nicht, wenn Sie diese Frau wären.«
Sie wandte sich von ihm weg. Nach einigen Augenblicken folgte er ihr an das Fenster, an das sie getreten war.