»Erstaunt? Ich war einfach fassungslos bei dem Gedanken, daß du den langen, heißen Weg zu Fuß gemacht hast, noch dazu, wo du nicht wohl bist. Und —« Cis ließ stockend die Stimme sinken, sie wußte nicht recht, wie sie mit der in den letzten paar Tagen merkwürdig verwandelten Florence eigentlich daran war — »hm — das Mädchen sagte, Florence, daß Herr Leath mit dir gegangen wäre.«

»Ganz recht. Er hat mich nach Hause gebracht.«

»Was — den ganzen Weg? Hierher nach Turret Court?« Aus ihren weitgeöffneten Augen sprach Mißbilligung und Erstaunen. »O, wirklich, Florence, ich finde, das hättest du nicht tun sollen,« meinte sie tadelnd. »Gerade jetzt, wo ihr schon in aller Leute Munde seid! Du hattest ihn nicht mit dir gehen lassen dürfen. Er hat kein Recht, sich dir auf solche Weise aufzudrängen.«

Florence lachte und legte der andern die Hände auf die Schultern.

»Du bist ein Prachtstück von Sittsamkeit, liebe Cäcilie. Aber in diesem besonderen Falle irrst du dich zufällig ganz und gar. Sowohl vor aller Augen wie hinter dem Rücken von ganz Rippondale hat Herr Leath das Recht, mit mir zu gehen, wenn er Lust hat. Ich habe soeben versprochen, ihn zu heiraten.«

20.

In dem getäfelten Zimmer, sonst dem traulichsten und freundlichsten Raume des Schlosses, sah es trübselig aus. Lady Agathe, die in ihrem Lieblingsstuhl saß, hatte ihr Taschentuch an die Augen gedrückt und schluchzte herzzerbrechend; ihr Roman war auf den Boden herabgeglitten und lag dort vergessen. Cis, deren hübsches Gesicht blaß und bekümmert aussah, stand am Fenster und hätte am liebsten auch geweint. Vor noch nicht drei Minuten hatte sich die Tür hinter Sir Jasper geschlossen, der hinausgegangen war und all diesen Jammer zurückgelassen hatte. Wie unwillkommen sein Besuch in dem getäfelten Zimmer auch stets seiner Frau und Tochter sein mochte, so war er doch nie mit einer so niederschmetternden Mitteilung erschienen wie eben, und die Wirkung, wenigstens auf die ältere Dame, war vernichtend gewesen. Mit den kürzesten Worten und dem schroffsten Ton seiner scharfen Stimme hatte er die Verlobung seines Mündels mit Everard Leath und seine eigene Einwilligung mitgeteilt. Nachdem er das getan, ging er hinaus, wie er hereingekommen, und Lady Agathe, die zu eingeschüchtert war, um angesichts seiner kaltblickenden Augen eine Szene zu machen, brach vor Erstaunen, Bestürzung und Entrüstung in Tränen aus.

»Mir ist nie etwas so nahegegangen,« schluchzte sie, »niemals, Cäcilie! Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht! Mir ist, als könnte ich meinen Ohren nicht trauen. Wenn dein Vater überhaupt jemals spaßte, so würde ich sagen, er macht einen Scherz mit mir. Aber er sagte ganz deutlich, Florence hätte sich mit Herrn Leath verlobt, nicht wahr?«

»Ja, Mutter, das sagte er.«

»Und daß er eingewilligt hätte, nicht wahr?«