»Unglücklich?« Sie warf ihm einen Blick zu. Hohn und stumme Vorwürfe lagen darin. »Brauchen Sie die Sache noch schlimmer zu machen dadurch, daß Sie mich darnach fragen?«

»Noch schlimmer? Ist es so schlimm?« Er hielt jetzt ihre beiden Hände und blickte mit düsterer Zärtlichkeit auf sie herab. »Ja — ich bin wohl brutal — ich weiß, daß Sie mich dafür halten! Ich müßte Sie wohl freigeben, — das müßte ich eigentlich! Ein guter Mensch würde das tun.« Er hielt inne und holte tief Atem. »Nun, ich fürchte, ich bin kein guter Mensch. Sie sind mein. Ich kann es nicht tun!«

»Ich — ich habe Sie nicht darum gebeten,« sprach Florence mit schwacher Stimme.

Wenn er es täte? Wenn er sie des Versprechens entbinden sollte, mit dem sie sein Schweigen erkauft hatte? Schon bei dem bloßen Gedanken überlief es sie kalt, obwohl sie sehr wohl wußte, daß er es niemals tun würde.

»Nein — Sie haben mich nicht darum gebeten, — das ist wahr. Aber ich kann sehen —«

Er brach ab; sein Ton wurde sanft und liebkosend. »Mein armes kleines Lieb — mein armes kleines Mädchen! Ich liebe es so, daß ich ihm kein Haar krümmen möchte — liebe es so, daß ich mir die Hand abhauen würde, ihm zu dienen, wenn es sein müßte, und doch bin ich grausam genug, um es so aussehen zu machen!«

»Lieben?«

Die Versuchung, ihm zu widersprechen, war zu mächtig, um ihr zu widerstehen, trotz des panischen Schreckens, von dem sie sich eben erholt hatte: sie warf ihm einen Blick der Verachtung zu.

»Sie mögen vorgeben, mich zu lieben, Herr Leath, aber mehr tun Sie nicht.«

»Vorgeben? Glauben Sie, ich tue nur so? Glauben Sie das? Dann denken Sie hieran, mein Lieb, und sagen, wieviel Verstellung daran ist!«