Zu plötzlich, als daß sie ihm hätte ausweichen, zu kraftvoll, als daß sie ihm hätte wehren können, schloß er sie fest in die Arme und küßte sie zweimal mit leidenschaftlicher Innigkeit. Im nächsten Augenblick hatte sich Florence mit einem halberstickten Schrei losgerissen und floh über das Gras, ohne einen Blick zurückzuwerfen.
Leath machte keinen Versuch, ihr zu folgen. Nach einer unwillkürlichen Bewegung, sie zurückzuhalten, blieb er regungslos stehen und sah der Davoneilenden mit einem seltsamen Lächeln nach. Erst einige Sekunden, nachdem sie verschwunden, machte er kehrt und verließ den Garten von Turret Court.
Er ging über die Halde und durch St. Mellions nach dem Bungalow. In gewohnter Weise durch die Veranda eintretend, fand er Sherriff im Wohnzimmer in seinem großen Stuhl am Tische sitzen. Die beiden Kasten standen vor ihm wie am gestrigen Tage, und der alte Herr hielt einige Schriftstücke in der Hand. Sein schönes Gesicht war noch bleich und abgespannt, aber es hellte sich beim Eintritt des jungen Mannes auf.
»Wie Sie sehen, bin ich unfolgsam gewesen, Everard,« sagte er mit einem Lächeln, »und habe mich ohne Sie an die Arbeit gemacht.«
»Sie hätten auf mich warten sollen. In einem Augenblick steh’ ich zu Ihren Diensten, aber erst habe ich Ihnen etwas mitzuteilen.«
»Mir mitzuteilen?«
In der ruhigen, gelassenen Stimme des anderen lag etwas, das Sherriff veranlaßte, schnell aufzublicken.
»Hoffentlich nichts Unangenehmes?« fragte er.
»Nein — oder hoffentlich werden Sie es nicht dafür halten.« Er hielt inne. »Erinnern Sie sich noch, daß Sie mich vor einiger Zeit beschuldigten, Gräfin Florence Esmond zu lieben?«
»Mein lieber Junge, natürlich erinnere ich mich dessen.«