Es gab indessen eine Menge Menschen, deren Augen hierfür blind blieben, ebenso wie ihre Ohren taub gegen die Tatsache waren, daß seine langsame, klare, wohlbeherrschte Stimme einen unerbittlichen scharfen Klang hatte. Diese Leute pflegten Sir Jasper für einen sehr netten Mann und Lady Agathe für eine sehr glückliche Frau zu erklären, eine Ansicht, der zu widersprechen Lady Agathe selbst nie im Traume eingefallen sein würde.

Sie fuhr jetzt aus ihrem Stuhle auf und ließ ihren Roman fallen, während ein ängstliches Beben ihre zarte Gestalt durchlief. Roy schlich sich die Verandatreppe hinab, augenscheinlich darauf bedacht, sich womöglich ungesehen aus dem Staube zu machen. Florence gab ihrem Schaukelstuhle einen Ruck und blickte ihren Vormund mit fragenden Augen an. Ihr jagte er nie einen Schrecken ein, hatte es nie getan seit der Zeit, wo sie ein übermütiges, dreizehnjähriges Mädchen in kurzen Kleidern gewesen und er ihr Vormund geworden war. Das war vielleicht ein Grund, weshalb er fast immer höflich und mitunter fast liebenswürdig gegen sie war, obgleich ein anderer Grund in der Tatsache zu finden sein mochte, daß, wenn sie es abgelehnt hätte, wenigstens die Hälfte des Jahres unter seinem Dache zu verbringen, tausend Pfund Sterling jährlich weniger in die Tasche des Barons geflossen sein würden. Es wurde gemeiniglich angenommen, daß Turret Court fast so alt sei wie die Berge, die hinter ihm emporragten, aber an irdischen Gütern hatte das Geschlecht der Mortlakes nie Überfluß besessen.

»Ist — kann ich — wünschest du irgend etwas, Jasper?« stammelte Lady Agathe ängstlich hervor.

»Danke — nein. Bitte, laß dich nicht stören.« Der Baron warf einen verächtlichen Blick auf den hingefallenen Roman; für die harmlosen Bände, die das Hauptinteresse und Vergnügen seiner Gattin ausmachten, hatte er eine unsägliche Verachtung.

»Ich glaubte, Roy wäre hier,« setzte er, sich umblickend, hinzu.

»Das ist er auch.«

Florence übernahm die Antwort und deutete nickend auf Roys verschwindende Gestalt, wofür ihr ein vorwurfsvoller und entrüsteter Blick wurde. »Wolltest du etwas von ihm, Onkel Jasper?«

Niemand außer ihr hätte es gewagt, die Frage zu stellen, oder würde sie gestellt haben, ohne eine beißend sarkastische Antwort zu erhalten. Sir Jasper trat an die offene Glastür.

»Ja, danke, meine Liebe.« Er rief seinem Sohne zu: »Roy, du hast nichts zu tun, — du kannst nach St. Mellions reiten und einen Brief von mir mitnehmen.«

»Was, jetzt, Vater?« Roys Gesicht wurde zusehends länger, als er sehr gegen seinen Willen kehrtmachte. »Ich komme gerade eben mit Wentworth aus Arborfield zurück,« sagte er in einem so mißvergnügten Tone, wie er nur anzuschlagen wagte, »und die Sonne scheint so furchtbar heiß — es ist der reine Backofen. Hat es nicht bis nach dem Frühstück Zeit?«