»Es hat nicht bis nach dem Frühstück Zeit. Ich bedaure unendlich, deine kostbare Muße in Anspruch nehmen zu müssen,« antwortete der Baron mit schneidendem Hohn. »Unglücklicherweise habe ich nicht Lust, meine Geschäfte warten zu lassen, bis es dir beliebt, sie zu erledigen. Du wirst Herrn Sherriff das Billett bringen und —«

»Herrn Sherriff?« fiel ihm Florence ins Wort. »Der liebe alte Mann — ich habe ihn seit einer Woche nicht gesehen! Und dabei ist er nicht wohl! Wie schändlich! Das muß ich wieder gutmachen.«

Sie sprang auf und sagte mit einer entlassenden Handbewegung: »Schon gut, Roy, du kannst davonlaufen und spielen. Ich will dein Briefchen besorgen, Onkel Jasper.«

»Liebes Herz, es ist so heiß! Und du mußt doch erst frühstücken,« wagte ihre Tante milde einzuwenden, während sie ihren Roman aufnahm.

»Nein, das brauche ich nicht. Ich werde mich bei Herrn Sherriff zu Gast laden. Er wird das gern sehen, und ich werde ihn aufheitern. Und außerdem muß ich wirklich im Pfarrhause vorsprechen und mich nach dem Datum des Basars erkundigen. Wenn wir uns nicht sputen, so werden Cis und ich das Regiment Puppen dafür nicht rechtzeitig fertig angezogen bekommen. Das Billett, bitte, Onkel Jasper, und ist noch irgend etwas dabei zu bestellen?«

Es war nur noch auszurichten, daß der Überbringerin des Briefes eine Antwort mitzugeben sei. Sir Jasper erteilte diese Weisung, sagte seinem Mündel ein paar sehr förmliche Dankesworte und ging hinaus. Florence pfiff ein paar Takte des ›Hausgespenstes‹ vor sich hin, schlug ihrer Tante das Buch wieder auf, gab ihr einen Abschiedskuß und lief auf den Rasen hinaus.

»Roy, lauf nach dem Stall hinüber — tu’s mir zuliebe, und laß Jakob mir Orange Lily satteln. Aber er selbst braucht sich nicht fertigzumachen, denn ich habe keine Lust, ihn hinter mir zu haben.«

Sie richtete ihre lustigen Augen auf das Brautpaar und klopfte ihrer Cousine leicht auf die schöne Wange. »Finden Sie nicht, daß Cis gut aussieht, Herr Wentworth? Wissen Sie wohl, daß sie einen demoralisierenden Einfluß auf mich ausübt? Wenn ich sie ansehe, so bin ich wirklich fast geneigt, mich zu verlieben.«

»Nun, ich glaubte, der Schritt wäre schon getan, Gräfin Florence!« gab Harry Wentworth lachend zurück.

»Das glaubten Sie? Von mir? Du meine Güte, wie kommen Sie nur auf solchen Gedanken? Liege ich nachts wach und kann nicht schlafen? Verliere ich den Appetit? Werde ich rot? Härme und gräme ich mich? Nun, was sagt ihr beide?«