»Ich halte es für das beste,« sagte sie stockend.
»Dann stehe ich natürlich ganz zu deinen Diensten.«
Er tat einen Schritt auf die Tür zu. Als Florence auf die aufrecht getragene Gestalt, in das gelassene, sonnengebräunte Antlitz blickte, regte sich, nicht zum erstenmal, ein wunderliches Gefühl in ihr. Er mochte, wie sie geäußert, nie im Leben eine Herzogin gesehen haben, aber er verriet keine Befangenheit oder Unruhe bei der Aussicht, dieser einen gegenüber stehen zu müssen. Sie mochte ihn hassen, mochte sich aufbäumen gegen die Bande, die sie an ihn fesselten, aber es war unmöglich, daß sie sich jemals seiner zu schämen hätte. Sie wäre kein Weib gewesen, hätte sie nicht etwas wie Erleichterung und Stolz bei dem Gedanken empfunden. An seinem Auftreten, seinem Benehmen konnte selbst die Herzogin nichts auszusetzen finden. In dem Bewußtsein lag ein Trost, und ein weicherer Ausdruck trat in ihr Antlitz, als sie durch ein Zeichen ihn an ihre Seite zurückrief.
»Bitte, warten Sie einen Augenblick! Ich will mit Ihnen gehen, aber vorher möchte ich noch etwas sagen.«
Sie berichtete ihm dann kurz, wie empört ihre Patin über ihre Verlobung sei, und setzte hinzu: »Das berührt mich nicht weiter, da sie meinem Herzen nie nahe gestanden hat, aber es ist mir sehr schwer geworden, ihr gegenüber so gleichgültig und so — zufrieden zu scheinen, wie ich wünschte. Sie ist eine kluge Frau und nicht so leicht zu täuschen wie Tante Agathe, und sie darf mir nicht noch ein zweites Mal zusetzen, solange sie hier ist. Sie darf es um keinen Preis!«
Ihre Stimme bebte: die Unterredung mit der Herzogin hatte sie tiefer erschüttert, als sie selbst wußte. Er legte seine Hand ruhig und fest über die zitternden Finger, die sie auf den Kaminsims gelegt hatte.
»Das soll sie auch nicht. Laß mich hören, was du wünschest, daß ich ihr sagen soll, du weißt, ich tue, was du willst.«
»Ja — ich weiß, ich kann mich auf Sie verlassen.« Es war das Freundlichste, was sie ihm je gesagt, und es hatte noch dazu den Vorzug, durchaus wahr zu sein.
»Sagen Sie ihr,« fuhr sie fort, »was vollkommen der Wahrheit entspricht, — daß ich mich weigere, unsere Verlobung rückgängig zu machen oder Sie zu bitten, mich freizugeben. Sie werden sie furchtbar böse machen, aber das tut nichts. Sie wird an Ihren Stolz appellieren, Ihnen sagen, daß ich mich durch eine Heirat mit Ihnen zugrunde richte. Hören Sie nicht auf sie; lassen Sie sich in keine Auseinandersetzungen mit ihr ein. Vielleicht wird sie Sie beleidigen — machen Sie sich nichts daraus. Denken Sie nur daran, daß es furchtbar schwer für mich ist, und daß ich Sie bitte, es mir zu erleichtern, so viel Sie können.«
Es war das erstemal, daß sie ihn um etwas bat; sie wußte kaum, wie rührend und eindringlich sie sprach, wie flehend ihre großen Augen, die voll Tränen standen, ihn anblickten. Seine Hand umschloß die ihre noch fester.