»Es gibt nur sehr wenige Dinge — nur ein einziges, glaube ich — die ich nicht tun würde, bätest du mich darum,« sprach er ruhig, »und dies ist nicht jenes eine. Was könnte ich wohl lieber tun, als darauf bestehen, daß du mein bleibst? Du kannst dich darauf verlassen, ich werde den Ton anschlagen, den du wünschest. Möchtest du noch warten, oder wollen wir gleich gehen, damit es überstanden ist?«
Nach kurzem Zögern legte sie ruhig die Hand auf seinen Arm: das hatte sie aus freien Stücken noch nie getan.
»Danke,« sagte sie einfach. »Ich will jetzt gehen, damit wir es, wie Sie sagen, hinter uns haben.«
Mit so stolz getragenem Haupte wie nur je in ihrem Leben trat sie, noch immer an seinem Arme, vor die Herzogin und stand neben ihm, wie ein Weib an der Seite des Mannes, den sie liebt, stehen sollte — lächelnd, in unbekümmerter Heiterkeit, voll Zuversicht auf ihn und sich selbst.
Die Unterredung dauerte nicht lange. Die Herzogin hatte schon zwei Niederlagen erlitten, und keiner ihrer beiden siegreichen Gegner war ihr mit kühlerer Gelassenheit gegenübergetreten, als Everard Leath. Auch ohne Florences Bitte würde er das wahrscheinlich getan haben. Die Herzogin war eine viel zu kluge Frau, um nicht zu wissen, daß sie eine Niederlage erlitten und daß ein fernerer Kampf hoffnungslos sei. In den wenigen kurzen Worten, mit denen Leath ihr antwortete, lag eine Entschlossenheit, die durch keinen Angriff ihrerseits zu erschüttern war. Die höhnische Anklage, die sie ihm entgegengeschleudert, hatte nicht einmal eine Veränderung in seinem Gesichtsausdruck hervorgerufen.
»Gräfin Florence weiß, Durchlaucht,« sprach er ruhig, »daß ihr Vermögen mir sehr gleichgültig ist. Wenn ich wünsche, daß sie es behalten möchte, so geschieht es nur, weil ich kein so reicher Mann bin, wie ich es ihretwegen zu sein wünschte. Könnte Durchlaucht ihr es morgen bis auf den kleinsten Bruchteil nehmen, so würde das an unserem gegenseitigen Verhältnis nichts ändern.«
»Nicht das mindeste,« stimmte ihm Florence bei, »ich würde dich doch heiraten, Everard.«
Die trauliche Anrede klang ihr sehr ungewohnt im Ohre, aber sie brachte sie entschlossen über die Lippen — war es doch nach ihrer Ansicht nur eine letzte, notwendige Heuchelei mehr und keine größere als ihre Hand auf seinem Arm, ihre Stellung an seiner Seite. »Geld hatte nichts mit dem Versprechen, das ich dir gab, zu schaffen — das weißt du. Ich glaube, Durchlaucht, damit wäre die Sache erledigt.«
Eine zornige Handbewegung der Herzogin war ihre einzige Entlassung. Sie verließen das Zimmer Arm in Arm, wie sie es betreten. Lady Agathe hatte während der ganzen Zeit, das Tuch an die Augen gedrückt, bitterlich weinend dagesessen und kein einziges Wort gesagt.
Erst als sie wieder in dem getäfelten Zimmer waren, zog Florence die Hand zurück. Eine Lampe war in der Zwischenzeit angezündet worden, und sie sah in dem gelben Lichtschein geisterbleich aus. All der mühsam behauptete Trotz war wie weggewischt aus ihren Zügen, jetzt, wo die Augen der Herzogin nicht mehr darauf ruhten. Sie blickte ihn mit müdem, ironischem Lächeln an.