Leath sprach in demselben erbarmungslosen, einförmigen Tone weiter. Florence saß bleich, mit weitoffenen Augen und fest zusammengepreßten Händen da. Sherriff stand neben ihr; die eine Hand hatte er auf ihre Schulter gelegt, mit der andern beschattete er seine Augen.

»Es wäre besser gewesen, ich hätte damals, als ich zu Ihnen kam, Sie um Gräfin Florences Hand zu bitten, die wenigen unverblümten Worte gesprochen, Sir Jasper, die ich jetzt sagen werde. Aber es war Florences Wunsch, daß alles, was zwischen uns lag, unerörtert bleiben sollte, und ich fügte mich ihm. Sie wußten, welches der Preis war, den ich für die Einwilligung Florences, meine Frau zu werden, zahlte, und für den sie willens war, sich zu opfern. Ich meinerseits wußte, daß Sie nicht wagen würden, Ihre Zustimmung zu unserer Heirat zu verweigern — Sie durften es nicht, um Ihrer eigenen Stellung willen, durften es nicht, um Ihrer beiden Kinder und um der unglücklichen Frau willen, die sich für Ihre Gattin hält.«

Er hielt inne. Sir Jasper taumelte schwer gegen die Stuhllehne, die er umklammert hatte, machte aber sonst keine Bewegung, noch ging in seinem starren Antlitz eine Veränderung vor. Leath fuhr fort:

»Sie ist nie Ihre Frau gewesen, und an jenem Tage hörten Sie es. Sie erfuhren, daß Gräfin Florence die Beweise gesehen hatte, die Sie für vernichtet hielten — Beweise, deren Duplikate in Australien sind, — die Beweise Ihrer Heirat mit Mary Ralston in Melbourne, vor einunddreißig Jahren, mit der Sie sich unter dem Namen Robert Bontine haben trauen lassen. Sie erfuhren, nachdem Sie ihrer überdrüssig geworden und sie schon nach einem halben Jahre ihrem Schicksal überlassen hatten, daß sie bis vor acht Jahren am Leben gewesen. Sie wußten, daß ich die Heirat beweisen konnte, wenn es mir beliebte, daß ich meine eigene rechtmäßige Geburt beweisen konnte, denn Sie wußten, daß ich Ihr Sohn war!«

Er hielt wieder inne. Der Baron starrte ihn noch immer an, aber das Hinundherschwanken hatte aufgehört.

»Sie wußten, daß ich Ihr Sohn war!« wiederholte Leath. »Sie hatten es gefürchtet und geargwöhnt, das weiß ich jetzt, seit dem Tage, an dem Sie mich zum ersten Male gesehen und in meinen Zügen die Ähnlichkeit meiner verstorbenen Mutter entdeckt haben.« Er lachte ingrimmig auf. »Sie haben sie verlassen, haben Ihre Ehe mit ihr geleugnet, haben sie in Armut und Schande verkommen lassen — jetzt, nach über dreißig Jahren, hat Sie die Rache ereilt. Die erste Geschichte, die ich von ihren Lippen vernahm, als ich alt genug war, sie zu verstehen, war diese — die Geschichte meines Vaters Robert Bontine. Die letzten Worte, die ich zu ihr, der Sterbenden, sprach, waren ein Gelübde, daß ich den Mann an dem Orte in England, den er als seine Heimat bezeichnet hatte, aufsuchen und meinen Namen, meine Rechte von ihm fordern wolle. Es dauerte acht Jahre, aber ich habe jenes Versprechen nie aus den Augen verloren. Sie wissen, weshalb ich es gebrochen, ebensogut, wie ich weiß, weshalb Sie gestern abend versucht haben, mich zu ermorden. Solange ich lebte, fürchteten Sie mich, trotz meines gegebenen Wortes. War ich tot, so konnten Sie keinen Grund zum Fürchten mehr haben.«

Florence schrie auf. Sir Jasper stürzte hilflos zu Boden. Das junge Mädchen sank auf die Knie und hob sein Haupt empor. Sein Gesicht war schrecklich verzerrt, seine weitoffenen Augen blickten leer und starr, als sähen sie nichts. Sherriff, der sich ebenfalls niedergebeugt hatte, schaute mit einem Ausdruck des Entsetzens zu dem jüngeren Manne empor.

»Gütiger Himmel, Leath, was ist das? Der Tod?«

»Nein,« antwortete Leath, »noch nicht. Aber es ist Tod bei lebendigem Leibe — ein Schlaganfall!«

24.