»Haben Sie die Absicht, sich in England niederzulassen?«
»Augenblicklich habe ich noch keinen bestimmten Entschluß gefaßt. Aber mich fesselt nichts an Australien, und es ist möglich, daß ich es tue.«
»Nichts? Sie wollen damit sagen, daß Sie keine Eltern haben?«
»Ja. Ich habe weder Vater noch Mutter. Während der letzten acht Jahre — seitdem ich zweiundzwanzig Jahre alt bin — habe ich ganz allein in der Welt gestanden.«
»Sie haben keine Verwandten in England?«
»Ich habe sie, soweit ich sie kenne, in keinem Lande der Welt.«
Die Fragen waren in einem herrischen, brüsken Ton gestellt worden, der beinahe ungezogen war; aber Leath hatte mit unverwüstlicher Gelassenheit bereitwillig und deutlich geantwortet, während er ernst vor sich hinblickte. Sie langten am Hause an. Sir Jasper hatte sein Schweigen nicht wieder gebrochen, noch Leath wieder angeblickt.
Lady Agathe, der so plötzlich zugemutet wurde, die liebenswürdige Wirtin einem jungen Manne gegenüber zu spielen, von dem sie außer der Geschichte mit Florences Höhle nie etwas gehört hatte, war freundlich und würde noch freundlicher gewesen sein, wäre sie über die Empfindungen ihres Mannes im klaren gewesen. Chichester, der in Turret Court frühstückte, wie er seit seiner Verlobung oft getan hatte, war von angemessener Höflichkeit. Bei Tische saß er natürlich neben seiner Braut, und Cis — ganz und gar nicht gegen ihren Willen, denn in Harrys Abwesenheit war ihr fast jeder Mann lieber als keiner — fiel das Amt zu, den Fremden zu unterhalten. Sie, Jasper und seine Frau saßen einander gegenüber, und Roys Stuhl blieb leer — er war nach Market Beverley geritten.
Aber mit dem besten Willen fand Cis ihre Aufgabe nicht leicht. Es mochte daran liegen, daß ihr Nachbar nicht auf ihre Fragen einging, oder daß die allgemeine Atmosphäre etwas Bedrückendes hatte. Außer ihr machte allerdings keiner irgendwelche Anstrengungen, ein Gespräch in Gang zu bringen. Florences sonst so beredte Zunge hatte wenig zu sagen. Sie blickte verwundert und fragend zu ihrem Vormund hinüber; sie antwortete ihrem Verlobten, aber mehr tat sie nicht und wandte sich nicht ein einziges Mal direkt an Everard Leath.
»Es ist zu abscheulich von Florence,« dachte Cis und warf vorwurfsvolle Blicke über den Tisch. Weshalb sprach sie nicht — sie, die immer jedermann amüsieren konnte, wenn sie wollte? — Die Pause, die nach ihrer letzten Bemerkung und Leaths Antwort eingetreten war, hatte schon beklemmend lange gedauert. Veranlaßt durch die Richtung, die die Blicke ihres Gefährten nahmen, fragte sie schließlich: