»Sie hat Ihren Brief nicht beantwortet?«
»Nein — dessen bedurfte es nicht. Sie mag es für freundlicher gehalten haben, es nicht zu tun. Von dem Tage an war sie für mich tot.«
»Sie haben nie wieder auf andere Weise irgend etwas über sie gehört?«
»Niemals. Vielleicht ist sie tot. Vielleicht lebt sie noch, mit ebenso weißem Haar wie das meine — sie, meine kleine, braunhaarige Mary! Es ist seltsam, sich das auszumalen, Leath. Ich sehe ihr junges Gesicht mit den Tränen, die ihr der Abschied erpreßte, deutlicher vor mir, als das Ihrige in diesem Augenblick. Nicht viel daran an der Geschichte, nicht wahr? Und alltäglich genug, wie ich schon sagte. Aber ich hatte das Gefühl, daß — wie sie nun auch sein mag — Sie sie hören sollten. Jedenfalls wird sie dazu beitragen, zu erklären, weshalb ich soeben ernst und eindringlich war und weshalb ich mich einen mit der Welt zerfallenen Menschen nenne. Genug von mir, und übergenug! Lassen Sie uns von etwas anderem reden.«
Leath stand auf und folgte Sherriff an das Fenster, an das er getreten war.
»Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Vertrauen,« sprach er. »Glauben Sie mir, daß ich die Ehre, die Sie mir erzeigt haben, schätze und würdige, denn ich weiß, Sie würden nicht jedem Ihre Geschichte erzählt haben. Ich will Sie mit meinem nutzlosen Mitgefühl nicht behelligen, ich will Sie nur bitten, mich wenigstens teilweise meine eigene, fast unentschuldbare Zurückhaltung, die ich Ihnen gegenüber beobachtet, wieder gutmachen zu lassen.«
»Erzählen Sie mir nichts, was Sie mir nicht gern sagen,« wehrte Sherriff hastig ab, »ich verlange es nicht, Leath — ich bitte Sie sogar, es nicht zu tun.«
»Ich will es auch nicht. Aber mit Ihrer Erlaubnis möchte ich Ihnen sagen, was mich von der anderen Seite der Welt hierher nach St. Mellions geführt hat. Ich bin hierhergekommen, um einen Mann aufzusuchen.«
»Einen Mann? Wer ist er?«
»Wenn ich darauf antworten könnte, so würde meine Aufgabe vollbracht sein. Ich weiß es nicht.«