»Ja, jeder Sommer ist kürzer als der vorige. Ich glaube, ich werde alt, Talbot!« wiederholte Gräfin Florence mit einem Seufzer.

Aber sie lachte, während sie das sagte, denn sie wußte, daß sie Unsinn sprach. Sie sah in der Tat heute abend fast wie ein Kind aus. Sie trug Schwarz, was mitunter eine Laune von ihr war, einen leichten, wolkigen und so dünnen Stoff, daß ihre weich gerundeten Schultern und Arme weiß hindurchschimmerten. Sie hielt einen großen hellblauen Federfächer in der Hand, und ein Sammetband derselben Farbe hielt den lose verschlungenen Knoten ihres kastanienbraunen Haares zusammen. Ihre Lippen waren dunkelrot, ihre lachenden Augen sahen im Zwielicht fast schwarz aus.

Chichester blickte zu ihr nieder und lächelte nachsichtig und beifällig. Er bewunderte ihre Schönheit wirklich sehr. Unter den Familienbildern in Highmount gab es viele liebliche Frauengesichter, aber keines war schöner als das ihre. Es war ihm lieb, daß dem so war, und es mahnte ihn daran, daß er ihr heute abend etwas Besonderes zu sagen habe.

»Alt?« wiederholte er. »Meine liebe Florence, das wird noch einige Jahre dauern, ehe ich das von mir selbst sage — wie viele also, ehe du es zu tun brauchst. Willst du nicht Platz nehmen? Ich möchte etwas mit dir besprechen.«

Er schob einen ihrer Lieblings-Schaukelstühle für sie in die Fensternische; er war immer außerordentlich aufmerksam und artig. Florence blickte widerstrebend auf den Sessel nieder und schnitt eine kleine Grimasse. Vielleicht wußte sie nur zu gut, wovon er reden wollte. Der Gegenstand war ihr sehr unerwünscht, aber sie war in schalkhafter Stimmung und aufgelegt, ihn zu necken. Sie setzte sich schmollend.

Er zog seinen eigenen Stuhl dicht an den ihren und nahm ihre Hand. Gerade so hatte er es gemacht, als er um sie anhielt. Daran mußte das junge Mädchen denken.

»Ich habe schon mit Sir Jasper über unsere Hochzeit gesprochen,« hub er an, »ich möchte, daß sie bald stattfände. Ich bitte dich, so bald wie möglich einen Zeitpunkt zu bestimmen! Je früher, desto besser, — das brauche ich wohl kaum hinzuzusetzen.«

Er küßte ihr die Hand, und wieder wurde sie an den Tag, an dem er sich mit ihr verlobte, erinnert; sie wußte noch sehr wohl, wie sie dankbar und erleichtert aufgeatmet, daß das alles gewesen, was er getan.

»Ich sehe nicht ein, daß irgendein Grund zur Eile vorliegt,« versetzte sie. »Wir sind erst seit kurzer Zeit verlobt!« Ihre Stimme nahm einen weichen, einschmeichelnden Klang an. »Es kommt mir vor, als sei es erst gestern gewesen!«

»Es sind zwei Monate — eine ziemlich lange Zeit!«