»Ich würde nicht ›gräßlich‹ sagen.«

»Nicht? Aber ich. Ja, ich bin ein oberflächliches, törichtes, leichtsinniges Geschöpf, und du bist ein ernster, gesetzter, verständiger Mann. Wir sind grundverschieden, und ich weiß, daß ich dich hin und wieder schrecklich langweilen muß. Und wir sind verlobt — wollen unser ganzes übriges Leben miteinander verbringen!«

Sie entzog ihm die Hand, stand auf und lehnte sich an die Gardine. »Ist dir je der Gedanke gekommen, Talbot, daß wir gar nicht zueinander passen könnten?« fragte sie, zu ihm aufblickend.

»Aber, liebe Florence!« wandte er in einem halb nachsichtigen, halb ungeduldigen Ton ein.

Sie sah ihn sinnend an. »Ich glaube, ich würde an deiner Stelle mir mein Wort zurückgeben.«

»Dir dein Wort zurückgeben?« Er war so grenzenlos überrascht, daß er ihre Worte ganz mechanisch wiederholte, während er sie fassungslos anstarrte.

»Ja — ich würde es wirklich tun. Weshalb nicht? Mit mir ist nicht leicht fertig zu werden, und du liebst ein ruhiges Leben. Wir könnten es ›nach gegenseitiger Übereinkunft‹ tun, wie man sagt. Das ist besser als gegenseitige Uneinigkeit hinterher. Dir würde es das Herz brechen, weißt du, und was mich anbetrifft — nun, ich habe keines zu brechen! Ich will an die Herzogin schreiben und ihr sagen, daß es allein meine Schuld ist. Soll ich?«

Sie hielt die linke Hand empor und zeigte den blitzenden Ring. »Er sitzt sehr lose — er würde in einem Augenblick abzustreifen sein. Sieh!«

Ihre Stimme hatte den munteren, scherzenden Ton behalten, aber es klang ein seltsamer, halb rührender Ernst hindurch. Er ergriff ihre Hand und schob den Ring mit festem Druck wieder an seinen Platz. Er sah verdrießlich aus und gab sich keine Mühe, seine Verstimmung zu verbergen.

»Mein liebes Kind, bitte, sei nicht albern! Du bist heute abend wirklich kindischer denn je. Zum Glück fällt es mir nicht im Traume ein, dich ernst zu nehmen. Wenn du nicht aufgelegt bist, über unsere Hochzeit zu sprechen, so will ich dich jetzt nicht durch ein weiteres Eingehen auf die Sache ärgern. Laß uns von etwas anderem reden! Was lasest du eben? Gedichte, glaube ich.«