»Das habe ich mir schon gedacht. Nun, er ist nach St. Mellions gekommen, um den Mann aufzusuchen. Wenn du mich fragst, weshalb, so muß ich gestehen, daß ich das nicht weiß; aber er beabsichtigt, ihn aufzufinden, und ich glaube, es wird ihm gelingen. Ich sagte ihm, ich hätte den Namen nie gehört, und erzählte ihm, der einzige Robert, der zu uns in Turret Court in Beziehung stände, sei dein verstorbener Bruder, Onkel Jasper. Es ist natürlich ihn höchsten Grade unwahrscheinlich, aber ich dachte, ich wollte dich fragen, — ich muß gestehen, es interessiert mich ein wenig, — ob du je einen Namen Robert Bontine gehört hättest?«
Sir Jasper hatte sich noch weiter aus dem Bereich des Fensters entfernt. Aus der linden Sommernacht klang seine Stimme langsam und scharf zurück.
»Ich kenne keinen Robert außer meinem verstorbenen Bruder. Ich habe den Namen Robert Bontine niemals gehört.«
12.
Es war ein außerordentlich heißer, drückender Tag gewesen. Seit dem Morgen hingen drohende Wolken tief am Himmel und verhüllten die Bergkuppen; über ihnen stand die Sonne wie eine strahlenlose, dunkelrote Feuerkugel; nicht der mindeste Lufthauch regte sich auf der Halde; die See rauschte nur leise plätschernd gegen das Gestade. In der Atmosphäre hatte jene beängstigende Schwüle gelegen, die einem heraufziehenden Gewitter voranzugehen pflegt.
Die Dämmerung brach mit fast tropischer Plötzlichkeit herein. Everard Leath, der allein in seinem Wohnzimmer in Lychet Hut saß, blickte erschrocken auf, als jäh ein schwarzer Schatten auf die Seite des Buches fiel, die er gerade umschlug. Er legte den Band nieder und trat, die Zigarre zwischen den Lippen, an das eine der beiden weit offenstehenden Fenster. Das Zimmer reichte von einem Ende des Häuschens zum andern, und von diesem Fenster blickte man quer über den Garten nach dem Fahrwege hinüber, der nach Lychet Hook führte.
»Bei Gott, es wird gleich losbrechen!« sagte er halblaut vor sich hin.
Er wartete. Durch das schwere Gewölk zuckten grelle Blitze, auf die ein leises, dumpfes Donnergrollen folgte; der Wind erhob sich in heulenden Stößen, und dann rauschte und prasselte der Regen plötzlich wolkenbruchartig herab. Als Leath an das zweite Fenster eilte, um es zu schließen, da der Regen von jener Seite kam, wurde das fast dunkle Zimmer durch helle, blaue Blitze erleuchtet, und der Donner krachte immer näher.
»Schlimmer noch als am Tage meiner Ankunft,« sagte er wieder vor sich hin. »Aber diesmal hat es nicht an warnenden Vorboten gefehlt. In diesem Unwetter möchte ich nicht auf der Halde sein. Die Leute, die behaupten, daß man sein Lebtag an die Rippondaleschen Gewitter denkt, haben recht. Dort ist wahrhaftig noch jemand unterwegs!«
Der Hufschlag eines Pferdes, obwohl durch das Toben des Wetters übertäubt, tönte jetzt vernehmlich genug von der Landstraße herüber, wenn auch die Biegung des Weges Leath noch nicht erkennen ließ, wer es war, der dort nahte. Im nächsten Augenblick sprengten Roß und Reiterin durch die offenstehende Pforte quer durch den Garten und verschwanden um die Ecke des Hauses.