Wie die Kometen im allgemeinen, so befand sich auch unser Komet in einer viel günstigeren Lage, die ersten Jahre eines Weltkörpers, die nach Jahrtausenden zählen, zu messen, als es uns Erdenbewohnern vergönnt ist. Das Jahr unseres Kometen ist ja mehr als dreitausendmal so lang als eines von unseren Jahren, und dadurch hat er einen immerhin recht brauchbaren Anhalt, der ihm als Maßstab für die Dauer der verschiedenen Entwicklungsperioden der Erde dienen kann.
Trotz dieser langen Intervalle zwischen seinen Reisen, die zwar unseren Augen ungeheuer groß erscheinen, bei der unendlichen Dauer der himmlischen Körper aber recht klein sind, kam es doch vor, daß der Komet bei einem neuen Besuche die Änderungen, die sich auf der Erde seit seiner letzten Anwesenheit vollzogen hatten, nicht wahrnahm, denn die Umwälzungen auf der Erde gingen, wie gesagt, langsam vor sich; oft wollte es ihm scheinen, als sähe er dieselben Gegenden, dieselben Landschaften, dieselben Pflanzen und Tiere, die er schon vor dreitausend Jahren und früher gesehen hatte, ja er mochte sogar glauben, daß er dieselben Individuen, die er damals erblickt, noch in vollster Kraft und in demselben Alter vor sich habe. Wenn das schon bei der langen Dauer seines Jahres so war, wie würde es erst gewesen sein, wenn er eine kürzere Umlaufszeit gehabt hätte? Bei aller Anstrengung würde es ihm wohl niemals möglich geworden sein, sich ein genaues Bild von den verschiedenen Stadien der Schöpfung zu machen.
Zu diesen, der Natur des Kometen eigentümlichen Vorzügen traten aber für unseren Helden noch andere, nicht minder wichtige hinzu: nämlich die ihm gegebene Möglichkeit, fortwährende Vergleiche zwischen der Erde und den anderen Planeten anzustellen.
Die Entfernung der Planeten von der Sonne steht ja im Verhältnis zu ihrem Alter. Die älteste Welt unseres Systems ist Neptun, die jüngste Merkur. Als der Komet zum erstenmal in unserem Sonnensystem erschien, waren die älteren Planeten bereits bewohnt; es war ihm nicht vergönnt, Zeuge zu sein, wie sich auf ihnen das Leben bildete.
Neptun, der älteste und von uns am weitesten entfernte Planet, hatte bereits die Höhe seiner Entwicklung überschritten. In den entlegenen Gegenden des Weltenraumes, in denen er seine Bahn wandelt, würde unsere Erde rasch erstarren und zu Eis erkalten; nicht so Neptun, den, wie alle anderen Welten, die gütige Natur so geschaffen hat, daß seine Eigenschaften in vollster Harmonie mit seinen Daseinsbedingungen stehen. Er zieht seine Kreise um die Sonne in Jahren, von denen eines so groß ist wie hundertvierundsechzig Erdenjahre.
Uranus, der jüngeren Datums ist, befand sich gerade im Mittag seines Lebenstages. Dort herrschte ein anderes Leben unter anderen Formen und nach anderen Gesetzen – ein Leben, das mit dem auf dem Neptun vorhandenen gar keine Ähnlichkeit hatte und auch von dem auf den anderen Planeten grundverschieden war. Uns hiervon eine Vorstellung zu machen, ist ganz unmöglich, denn selbst unsere kühnste Phantasie ist nicht imstande, sich mit Vernunft begabte Wesen vorzustellen, die anders als wir organisiert sein sollen, sie vermag es nicht, sich unbekannte Formen vorzustellen. Um die Welt des Uranus kreisten in rückläufiger Bewegung vier Monde, die, gleich ihrem Regenten, ihre erste Jugend schon lange als vergangene Zeiten betrachten durften. Ein Jahr des Uranus umfaßt vierundachtzig Erdenjahre.
Wie wir früher bereits gesehen haben, stand Saturn in seiner schönsten Blüte und vervollkommnete sich immer mehr. Damit soll aber keineswegs gesagt sein, daß seine Bewohner mit großen Schritten der Höhe entgegeneilten, auf der die Bewohner des Uranus bereits angekommen waren. Dies würde in keiner Weise das Richtige treffen; denn was für eine Welt die Vollendung darstellt, ist es noch keineswegs für eine andere, und in der langen Geschichte der Gestirne gibt es keine Epoche, in der man etwa die verschiedenen Welten in eine bestimmte Reihe gliedern und jeder Welt eine bestimmte Nummer in dieser Reihe anweisen könnte. Jede Welt hat ihre eigene Bestimmung und verfolgt ihr eigentümliche Mittel, um diese Bestimmung zu erreichen. Bei den Bewohnern des Saturn ist ein Jahr dreißigmal so lang als bei uns, und ihr Kalender hat die Umlaufszeit von zehn Monden mit zu berücksichtigen.
Jupiter befand sich noch in vollster Jugend und strotzte von Kraft und Leben. Man konnte ohne große Mühe erkennen, daß er das Stadium der Entwicklung, in dem sich die Erde gerade jetzt befand, schon seit langer Zeit durchgemacht hatte, daß aber seine Lebensäußerungen mit einer immer noch ziemlich beträchtlichen Langsamkeit vor sich gingen. Während die Erde zwölf Jahre zurücklegte, vollendete er erst ein Jahr, und noch immer herrschte auf ihm beständiger Frühling, obwohl die verschiedenen Jahreszeiten auf seiner Oberfläche bereits ihr Erscheinen zu erkennen gegeben hatten; acht Monde drehten sich rasch um ihn.