Schon bevor der Komet die Erde zum erstenmal gesehen hatte, hatte er diese Beobachtungen bereits gemacht, und es unterliegt keinem Zweifel, daß hierin der Grund für seine anfängliche Geringschätzung der Erde zu suchen ist. Was ihm aber bei seinen Wahrnehmungen am meisten aufgefallen war und wohl auch dazu beigetragen hatte, sein Vorurteil gegen die Erde immer mehr zu bestärken, das war die Kleinheit unseres Planeten im Verhältnis gerade zum Jupiter. Es wollte ihm scheinen, als sei die Erde nur ein vom Jupiter losgelöster Mond, und er war lange Zeit nicht geneigt, sich eines Besseren belehren zu lassen. In der Tat muß ihm ja zugegeben werden, daß der Kontrast zwischen den Größenverhältnissen des Jupiter und der Erde ungeheuer ist. Nicht weniger als elfmal ist der Durchmesser des Jupiter größer als der der Erde, und dementsprechend mißt seine Oberfläche hundertundzwanzigmal mehr und beträgt sein Körperinhalt dreizehnhundertmal mehr als der der Erde!

Mars befand sich um jene Zeit in einer ähnlichen Lage wie die Erde. Obgleich er ihr älterer Bruder ist, war er doch nicht rasch vorgeschritten, vielmehr war er in seiner Entwicklung aufgehalten worden. Als später der Komet die Erde zum Gegenstand seiner Forschungen gemacht hatte, beschränkte er sich nur auf sie, und es wäre ihm schwer gefallen, seine Aufmerksamkeit zwischen der Erde und einem anderen Gegenstand zu teilen, wenn ihm dieser nicht etwas weit Interessanteres dargeboten hätte. Die Erde blieb das Objekt seiner Gedanken.

Der Mond war damals von dem kleinen Volk der Seleniten bewohnt. Man wird es leicht glauben, daß diese Welt in der Tat zu klein war, um das Interesse des erhabenen Reisenden für längere Zeit in Anspruch zu nehmen.

Trotz der unserer Erde in so hohem Maße entgegengebrachten Neigung des Kometen, hätte doch beinahe ein Ereignis, wie es im Leben eines jeden eines Tages vorkommen kann, diesen seinen so beharrlichen und lehrreichen Beobachtungen ein Ende gemacht. Auch bei den Bewohnern des Weltenraumes gibt es gewisse Vorgänge, die man mit solchen bei den Erdenbewohnern in Parallele stellen kann. Wir müssen einen Augenblick bei einem derartigen Ereignis verweilen, denn es kommt ihm immerhin eine gewisse Bedeutung zu: wir sprechen nämlich von einer Art ehelicher Verbindung des Kometen.

Schon seit siebenundzwanzigtausend Jahren hatte ein prächtiges Meteor, das mit schönster Form einen Farbenglanz von reinstem Wasser verband, von weitem in den Gefilden des Himmelsraumes den Schweifstern daherziehen sehen. Die Einsamkeit macht nachdenklich, und man wird es daher glaubhaft finden, daß sich das Meteor in seiner Einsamkeit zu dem Gestirn mit den langen goldenen Haaren hingezogen fühlte. Siebenundzwanzigtausend Jahre lang näherte sich, infolge des Gesetzes der allgemeinen Schwerkraft, die Bahn dieses Meteorsteines, der zu den größten seiner Gattung gehörte, immer mehr der des Kometen. Bemerkt sei hierbei, daß diese großen Meteorsteine ganz ebenso wie die Kometen ihre Bahnen um die Sonne ziehen. Je näher er an den Kometen herankam, desto rascher flog er auf ihn zu, und zuletzt schoß er mit einer Geschwindigkeit von viertausend Meilen in weniger als einer Minute in die Sphäre des Kometen hinein, so daß er, von weitem gesehen, dessen Kern darzustellen schien. Ob dies vielleicht der Anfang zur Bildung neuer Kometen war? Darüber schweigt die Geschichte, und die Philosophen, die bei der Erklärung dieses Umstandes sich durch nicht passende Analogien haben bestimmen lassen, sind in lächerliche Übertreibungen verfallen. Auf welche Weise aber auch die Kometen sich bilden mögen, das eine steht fest, daß es am Himmel so viele gibt als Fische im Meere; wir berufen uns hierbei auf Kepler und fragen: Was müßte geschehen, wenn sich ihre Zahl willkürlich ins Ungeheure vermehrte? Es bedarf einer gewissen Entschlossenheit, um mit kaltem Blute die zahllose Masse jener Gestirne zu betrachten, die in raschem Fluge ihre Bahnen gegenseitig kreuzen, und man muß staunen, daß ihre vielfältigen Bahnen, welche die Bahn der Erde nach allen Richtungen hin kreuzen, nicht häufige Zusammenstöße zwischen den Planeten und Kometen herbeiführen.

Wir wollen uns jedoch hierbei nicht länger aufhalten. Für uns bleibt der Komet, was er war, die handelnde Person unserer Erzählung. Das Meteor ist in ihm aufgegangen und seine Persönlichkeit existiert nicht mehr.

Inzwischen war das Meer von jener Ebene, auf der sich Paris erheben sollte, zurückgetreten; ein gewaltiger Strom, weit größer als die heutige Seine, nahm deren Flußbett ein, sowie einen breiten Saum längs desselben, und warf sich nicht weit von ihrer heutigen berühmten Mündung bei Havre, aber etwas oberhalb derselben, in der Gegend von Caudebec, ins Meer; dagegen war das Cap de la Hève weiter in den Ozean vorgeschoben. Bekanntlich rücken die Ufer eines Flusses infolge des Sandes, den das Wasser mit sich führt, einander immer näher, und auch die Mündung versandet allmählich, während das Meer hingegen die vorspringenden felsigen Gestade nach und nach abrundet. So ist die Gestalt der Küste in fortwährender Umwandlung begriffen.

Die Natur ging ihrem jetzigen Aussehen entgegen. Vögel sangen bereits in den Wäldern, die wohl das ganze heutige Frankreich bedeckten. Murmeltiere, Eichhörnchen, Feldmäuse, Biber, Pferde, Hunde usw. waren die ersten Vertreter jener harmloseren Tierwelt, die dann, nachdem der Mensch erschaffen worden war, bestehen bleiben sollte. In den geschmeidigen Zweigen der Liane kletterten bereits die ersten Affen und schnitten ihre Grimassen, auch sie, von allen Geschöpfen am meisten den Menschen ähnlich, waren Vorläufer des »Herrn der Schöpfung«.

Fußnoten