Hamburg.
Auch in HAMBURG eröffnete die Reformation der Presse ein weiteres Feld, jedoch hatte sie hier mit einer besonderen Schwierigkeit zu kämpfen. Während die hochdeutsche Schriftsprache durch die Reformation fast überall Boden gewann, blieb sie hier dem Volke ein mehr oder weniger fremdes Idiom. Die Verleger Hamburgs konnten für Werke in niederdeutscher Sprache nur auf ein kleines, mehr lokales, Publikum rechnen, anderseits die für das Volk bestimmten Schriften nicht hochdeutsch drucken. Hierin trat erst zu Anfang des xvii. Jahrhunderts eine Änderung ein.
Rostock.
In ROSTOCK bestand schon 1476 eine angesehene Buchdruckerei der „Brüder des gemeinsamen Lebens“. Die Reformation bereitete ihr den Untergang (1534) und zwar zum grossen Verdruss der Gelehrten. Noch im Jahre 1564 klagt der Professor Chyträus, dass es in Rostock nur einen Buchhändler mit einer Druckerpresse und einem Lehrling gebe, sodass viele gelehrte Ausländer nicht einmal wüssten, dass in Rostock eine hohe Schule vorhanden sei.
Berlin.
BERLIN[15] war im Jahre 1500 zwar die Residenz der Kurfürsten in den Marken, aber eine unbedeutende Stadt, die nicht einmal eine Buchdruckerei besass, während Stendal und Kloster Zinna bei Jüterbogk deren vor dem Schluss des xv. Jahrhunderts hatten (vergl. S. 53), und Frankfurt a. d. O. wenigstens 1502 eine solche, wenn auch nur in einem kleinen Massstabe, durch Martin Tretter erhielt.
Joh. Weiss.
Erst um das Jahr 1540, zu einer Zeit, wo der Süden Deutschlands bereits über seinen typographischen Glanzpunkt hinaus war, erfolgte die Einführung der Kunst in Berlin und zwar auf besonderen Betrieb des Kurfürsten Joachim ii., welcher 1539 Johann Weiss, der schon seit 1525 als ein anerkannt tüchtiger Buchdrucker in Wittenberg gewirkt hatte, nach Berlin berief. Das erste dort gedruckte Buch, die Kirchenordnung im Kurfürstenthum der Marken, erschien 1540.
Bis 1544 lieferte Weiss etwa 20 Druckwerke, von da ab hört man weiter nichts von ihm, und da auch die in Frankfurt a. d. O. bestehende einzige Buchdruckerei von Joh. Hanaw eingegangen war, so hatte die Mark Brandenburg 1544 keine Buchdruckerei.
Frankfurt a. d. O. erhielt endlich, nachdem Nikolaus Wolrab dort auf kurze Zeit (1547-1549) aufgetreten und dann wieder verschwunden war, in Joh. Eichhorn aus Nürnberg einen tüchtigen Buchdrucker mit einem alleinigen Privilegium für die Mark ausgerüstet (1567). In Berlin findet sich aber fast 30 Jahre lang keine Spur einer Buchdruckerei, bis 1574 Leonhard Thurneysser zum Thurn als solcher erscheint.