Leonh. Thurn-
eysser.
Dieser Leonhard Thurneysser war kein gewöhnlicher, aber ein unsteter Mensch. Geboren zu Basel 1530, war er nach einander Goldschmied, Naturhistoriker, Chemiker, Bergmann, Arzt, in allen Eigenschaften tüchtig; bald arm, bald reich. Nach langen Reisen in Europa und Asien kam er 1568 zurück und erwarb sich Ruf als Arzt durch seine Wunderkuren, die er auch mit Glück an der Gemahlin des Kurfürsten Johann Georg in Frankfurt a. d. O., wo er sich wegen des Druckes seiner Werke aufhielt, übte. Der Kurfürst nahm ihn in seine Dienste und gab ihm in Berlin ein Lokal in dem Grauen Kloster, um dort zunächst für seine eigenen Werke eine Druckerei einzurichten, aber auch, um für den Kurfürsten zu drucken. Die Offizin stattete Thurneysser auf das beste nicht nur mit deutschen, sondern auch mit allerlei orientalischen Schriften aus. Später kam eine Schriftgiesserei und Holzschneiderei dazu. Seine Bücher sind sehr sorgfältig gedruckt. Bedeutend und weit verbreitet war sein Verlag von Kalendern, die zu der Zeit überhaupt fast nur von Ärzten herausgegeben wurden.
In Thurneyssers damals glänzenden Verhältnissen trat aber ein allmählicher Rückgang ein. Unruhig wie er war, siedelte er 1579 nach Basel über und ging dort eine unglücklich ausfallende Ehe ein, die durch einen Prozess ihm grossen pekuniären Verlust brachte. Nach Berlin zurückgekehrt, verliess er 1584 heimlich die Stadt und verschwand von der Bühne. Die Druckerei hatte er schon 1577 für 1100 Thaler an seinen tüchtigen Gehülfen Michael Hentzke verkauft, der bereits 1580 starb. Dessen Witwe heiratete Nik. Voltz, einen tüchtigen Buchdrucker, der jedoch aus Mangel an Mitteln gezwungen war, einen Teilhaber zu nehmen, den er in dem Rektor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, Wilh. Hilden, fand. Sie druckten jeder unter seinem Namen, bis Voltz 1586 wieder in den alleinigen Besitz des Geschäftes kam, mit welchem er 1593 nach Frankfurt a. d. O. zog. Hier fand er 1619 sein Ende, jedoch ohne bessere Erfolge seiner Thätigkeit erreicht zu haben.
Christoph
Runge.
Von 1593 bis 1599 tritt nun wieder eine Pause in der Druckthätigkeit Berlins ein. In diesem Jahr berief der Kurfürst Joachim Friedrich iii. Christoph Runge, Buchdrucker zu Neudamm, nach Berlin, wo er bis 1607 druckte. Sein Sohn Georg, später sein Enkel Christoph, setzten das Geschäft fort. Letzterer entwickelte mit seiner gut ausgestatteten Offizin eine bedeutende Thätigkeit. Bei ihm wurde 1615 die erste Zeitung Berlins gedruckt. Sein sorgenvolles Leben schloss im Jahre 1681[16].
Die Hofbuch-
drucker.
Im Jahre 1660 wurde der erste Hofbuchdrucker ernannt, Georg Schultze, der eine gut eingerichtete Buchdruckerei aus Guben mit nach Berlin brachte, wo ihm im Schlosse ein Lokal eingeräumt wurde. Er starb 1685. Seine Nachfolger im Amte brachten es nicht weit, und von 1721 ab, in welchem Jahre der damalige Inhaber kassiert wurde, hört man nichts weiteres von der Schlossdruckerei.
Dieserart waren die bescheidenen Anfänge der Buchdruckerkunst in der jetzigen Kaiserresidenz, Millionenstadt und dem Hauptsitz deutscher Wissenschaft und Kunst.