Dänemark.
Die Reformation.
DÄNEMARK[17]. Die Einführung der kirchlichen Reformation war nicht ein so entscheidender Wendepunkt in dem geistigen Leben Dänemarks, wie in dem Deutschlands. Der König Christian ii. begünstigte zwar die Bestrebungen der Humanisten und der Reformatoren, konnte sie aber während seiner unruhigen und blutigen Laufbahn nicht genügend stützen. Die erste dänische Ausgabe des Neuen Testaments wurde so zu sagen unter seinen Augen in Leipzig 1524 gedruckt. Überhaupt war der Buchdruck in Dänemark noch nicht imstande, mit den Bedürfnissen Schritt zu halten und viele Bücher wurden in Paris, Antwerpen, Köln, Lübeck, Magdeburg und Rostock ausgeführt, an letzterem Orte durch die Fratres vitæ communis, namentlich aber durch Ludw. Dietz, der 1533 Luthers Bibel plattdeutsch gedruckt hatte. Sein Name hatte in Dänemark einen so guten Klang, dass er vom König Christian iii., als dieser den Vorsatz gefasst hatte, eine schöne Ausgabe der Bibel veranstalten zu lassen, nach Kopenhagen berufen wurde, wo er das Vorhaben des Königs in würdigster Weise ausführte. Der Vorschlag war von dem Reformator Bugenhagen ausgegangen, der auch die erwähnte plattdeutsche Bibel besorgt hatte, welche noch um ein Jahr eher erschien, als die erste vollständige hochdeutsche Bibel durch Hans Lufft. Dietz wurde mit seinem Gehülfen und seiner Druckerei 1548 nach Kopenhagen kostenfrei übergeführt; dort erhielt er freies Quartier, eine Ladung Holz, 200 Reichsthaler Handgeld und für jedes der 3000 Exemplare der Auflage 1 Gulden. Durch eine Abgabe von 2 Reichsthalern auf jede Kirche in Dänemark wurden die Kosten für das Papier zuwegegebracht. Am Johannistage 1550 war der Druck zur grössten Zufriedenheit beendigt und Dietz und seine Offizin wurden wieder nach Rostock gebracht. Diese Bibel ist ein vorzügliches Druckwerk, mit guten Holzschnitten geschmückt, welche teilweise schon früher in Deutschland benutzt waren. Das Portrait des Königs und ein Titelblatt sind von Jakob Binck ausgeführt. Ein anderer Deutscher, Hans Stockelmann, war der erste eigentliche Universitätsbuchdrucker (1574) und genoss als solcher bedeutende Vorteile. Die Universität besass jedoch keine rechte geistige Selbständigkeit und man blickte nach Wittenberg als nach einem Richterstuhl ohne Appell in Angelegenheiten der Kirche und der Wissenschaft. Die Zensur, die sich 1524 Eingang verschafft hatte, um gegen Luthers Schriften angewendet zu werden, wurde nun umgekehrt von den Protestanten nach Herzenslust geübt. Die Herausgabe eines Spottliedes gegen einen Bischof kostete 1586 dem Prediger Jakob Nielsen den Kopf. Die Einfuhr gedruckter Bücher wurde 1562 verboten. Ein litterarisches Eigentumsrecht erkannte die damalige Zeit nicht an. Selbstverständlich konnte der Buchhandel keine grossen Fortschritte machen; eine zunftmässige Organisation desselben bestand nicht und die Bücher waren verhältnismässig teuer und selten. Unter den Verlegern fand, wie in Deutschland, ein Tauschhandel statt; Kataloge und Bekanntmachungen waren nicht gebräuchlich, doch besuchten dänische Buchhändler die Frankfurter und die Leipziger Messen und erhielten Besuch von deutschen und holländischen Verlegern. 1614 wurden die ersten Zeitungsprivilegien erteilt.
Schrift u. Papier.
Schriftgiessereien hatte Dänemark noch nicht gehabt und die nötigen Typen führten Deutschland und Holland ein. Nicht nur das Druckmaterial, sondern auch die Arbeiter wurden aus dem Auslande geholt. Mit der Papierfabrikation wollte es auch nicht recht vorwärts gehen. Die erste Fabrik wurde auf Seeland i. J. 1576 errichtet, prosperierte aber nicht. Sogar berühmte Schriftsteller mussten den Druck ihrer Werke einstellen, weil das benötigte Papier nicht zu beschaffen war.
Im Jahre 1589 legte der berühmte Astronom Tycho de Brahe, neben seiner schon seit 1584 bestehenden Privatdruckerei auf der kleinen Insel Hveen im Öresund, auch eine Papierfabrik an; dieselbe hörte jedoch bald auf. Bei ihm hielt sich der berühmte holländische Buchdrucker und Geograph Wilh. Janszoon Blaeu längere Zeit auf und arbeitete zusammen mit ihm zu wissenschaftlichen Zwecken.
Buchbinderei.