Um die Buchbinderei war es nicht ganz übel bestellt, sie wurde aber hauptsächlich von Franzosen und Deutschen betrieben. Von letzteren berief man z. B. im Jahre 1550 Christoph Schoch aus Wittenberg und Paul Knobloch aus Lübeck, um die 2000 Exemplare der obenerwähnten Bibel Christians iii. zu binden, wofür sie neben freier Station den hohen Preis von 2 Mark dänisch pro Stück erhielten.

Verfall
der Wissenschaft.

Wie der Glanz und die Herrlichkeit der Geistlichkeit vor der kirchlichen Reformation erloschen war, so sank nach der grossen politischen Umwandlung durch die Einführung des absoluten Königtums im Jahre 1660 die Macht des Adels auf immer und damit auch die von ihm der Litteratur und den Wissenschaften gewährte Unterstützung. Ein freies, aufgeklärtes und wohlhabendes Bürgertum als Ersatz gab es noch nicht. Von den Königen wurden zwar viele Hofbuchdrucker und Hofbuchhändler ernannt, es handelte sich jedoch nur um leere Titel. Pietismus und Bigotterie herrschten in den oberen Kreisen und verbreiteten sich nach unten, um dann dem Materialismus Platz zu machen. Lateinisch war immer noch die Sprache der Gelehrten, wer nicht lateinisch schrieb, schrieb deutsch und es dauerte lange, ehe die dänische Sprache und Litteratur zu Ehren kamen. Die Zensur wurde mit Strenge gehandhabt; der Nachdruck blühte und die Einfuhr von Büchern war hoch besteuert.

Buchhandel.


Glänzend konnte demnach der Zustand der Buchdruckerei und des Buchhandels nicht sein. Hierzu kam noch der grosse Brand von Kopenhagen 1728, nach welchem das Geschäft ganz darnieder lag und erst durch Georg Höpfner wieder zu Ehren kam. Im Jahre 1722 gab es ausserhalb Kopenhagens keine Presse in Dänemark, 1769 arbeiteten 12 Buchdruckereien. Vieles wurde jedoch in Deutschland gedruckt, wenn auch nicht viel besser. Ein Deutscher, Ernst Heinrich Berling, hatte um 1740 eine Schriftgiesserei angelegt, und das Verbot der Einfuhr von Schriften-Guss erlangt. Aber dieses Verbot scheint nicht beachtet worden zu sein. Die Fraktur war die allgemein gebräuchliche Type und ein Versuch des Buchdruckers Jokum Wielandt, 1723, sie durch Antiqua zu ersetzen, misslang. Im Jahre 1754 wollte man eine „Freie dänische Buchdruckerei“ begründen mit ähnlicher Tendenz wie die „Gelehrte Buchhandlung“ in Deutschland; sie endigte mit gleichem Misserfolg. Im Jahre 1720 war das erste kritische Blatt erschienen. Mit den Zeitungen sah es keineswegs gut aus. Die in deutscher Sprache geschriebenen waren reine Abklatsche der elenden Hamburger Zeitungen. 1666 erschien eine gereimte dänische Zeitung „Dansk Mercurius“. Erst ein Kopenhagener Lokalblatt „Die Nachrichten des Adress-Komptoires“ hatte einen solchen Erfolg, dass nun auch Provinzstädte Lust bekamen an dem Gewinne teilzunehmen, was dann auch die Verbreitung der Buchdruckereien mit sich brachte.

Norwegen.

In dem mit Dänemark politisch und sprachlich verbundenen NORWEGEN ging die wissenschaftliche und litterarische Bewegung ganz in der dänischen auf, so dass die Buchdruckereien dort nicht festen Fuss fassen konnten. Das erste Buch wurde in CHRISTIANIA i. J. 1643 von einem wandernden Buchdrucker, Tyge Nielsen aus Kopenhagen, gedruckt. Eine fest angesiedelte Offizin erhielt Norwegen erst durch einen Deutschen, Valentin Kuhn.

Island.

Auf ISLAND herrschte und herrscht noch die von den eingewanderten Norwegern mitgebrachte altnordische (Norräna-)Sprache und ein reges geistiges Leben. Die Reformation ward 1551 eingeführt, und Island erhielt, noch vor dem Mutterlande, eine Buchdruckerei. Dieselbe wurde auf Veranlassung des letzten katholischen Bischofs Jon Arason durch dessen Schreiber, den Schweden Jon Matthiasson, in HOLUM eingerichtet und hier erschien 1531 das erste Buch Missale Nidarosiense (Drontheimsches Missal). Als der Bischof, ein Opfer seiner Überzeugung, gefallen war, nahm der weniger skrupulöse Matthiasson die lutherische Lehre an, behielt die Druckerei und druckte mehrere evangelische Schriften. Die Offizin zog öfters hin und her und wurde 1574 von dem Bischof Guldbrand Thorlakson übernommen, mit neuem Material versehen und erweitert, so dass sie 1584 eine Folio-Bibel, von der später mehrere Auflagen erschienen, isländisch drucken konnte. Der Bischof besorgte selbst eine sehr genaue Korrektur und soll sogar die zierlichen Initialen gezeichnet und geschnitten haben. Im Jahre 1704 kam die Offizin nach SKALHOLT, wo sie über 40 Drucke lieferte, und dann, nach längerem Stillstand, 1704 nach Holum zurück.