Schriftgiesserei.

In der SCHRIFTGIESSEREI bestanden die Verbesserungen, nachdem man schon frühzeitig gelernt hatte, die Stempel in Stahl, die Matern in Kupfer, die Schriften in härterer Metallmischung herzustellen, hauptsächlich in der Einführung der nach bestimmten Regeln sich abstufenden Schriftgrössen (Kegel-System), während anfänglich Zufälligkeiten oder Laune bestimmend waren.

Kegel und
Schrifthöhe.

Leider wurde vom Beginn ab weder in Betreff des Kegels noch der Schrifthöhe eine Einheitlichkeit in allen Ländern durchgeführt. Nicht allein verfolgte jedes Land seinen eigenen Weg, sondern in den einzelnen Ländern, und zwar ganz besonders in Deutschland, herrschte Verschiedenheit, die sich sogar auf die einzelnen Städte ausdehnte, ja, selbst in den Druckereien einer und derselben Stadt sah es oft traurig genug um die Einheitlichkeit aus.

Giessinstrument.

Das Giessinstrument war so eingerichtet worden, dass die Buchstaben beim Giessen einen trichterförmigen Anguss erhielten, dessen Schwere die scharfe Ausprägung des Buchstabenbildes förderte. Die Interpunktionszeichen wurden vermehrt und erhielten eine zweckmässigere, weniger prätentiöse Form. Die überaus zahlreichen Ligaturen der Buchstaben wurden auf eine kleine Zahl beschränkt und die sogenannten Auszeichnungsschriften zum Hervorheben einzelner Zeilen oder Wörter eingeführt.

Signatur.

Die Typen wurden mit einer Einkerbung (Signatur) versehen. Diese diente nicht allein dem Setzer als Richtschnur, um den Buchstaben gleich aus dem Kastenfach richtig zu fassen und in den Winkelhaken einzureihen, sondern auch als Unterscheidung der verschiedenen, auf einem und demselben Kegel gegossenen Schriftsorten, indem man mit der Stellung der Signatur auf der unteren, beim Satz oberen, Langseite der Type wechseln, nach Befinden auch gleichzeitig mehrere Signaturen anbringen konnte.

Vermehrung der
Schriften.

Mit der steigenden Zahl der Schriften war dieses Unterscheidungszeichen recht notwendig geworden. Bereits das, 1721 erschienene, Handbuch von Ernesti weist nicht weniger als 47 verschiedene Frakturschriften bei 18 Kegelstärken auf. Man sieht auch hieraus, welche grosse Ansprüche schon damals an die Schriftgiessereien und Buchdruckereien gestellt wurden. In Deutschland verdoppelten sich diese Ansprüche, denn man musste auch in Antiqua- und Kursiv-Schriften wohl versorgt sein. Das erwähnte Handbuch bringt 21 Antiqua- und 14 Kursiv-Proben, daneben 11 Grade Griechisch und 9 Grade Hebräisch, ausserdem arabische, samaritanische, armenische, koptische, cyrillische, glagolitische, russische, hunnische, scytische, wendische Schriften, Runen, Choral- und gewöhnliche Noten.