Das Clichieren.

War auch die eigentliche Stereotypie noch nicht zur Anwendung gekommen, so kann doch kein Zweifel darüber obwalten, dass man bereits im xv. Jahrhundert in ziemlich ausgedehnter Weise das Clichieren geübt hat, freilich noch aus freier Hand durch Eindrücken der grossen Initialen oder der Holzstöcke in ein halberstarrtes Metall oder in Thon, wodurch man eine, für das weitere Giessen verwendbare Mater gewann.

Die Fraktur und
die Zierschriften.

Obwohl die Frakturschrift die in Deutschland herrschende Schrift war, so zeigte sich doch keine grosse Thätigkeit in der Fortbildung derselben; wir berührten diese bereits, als von Nürnberg die Rede war (S. 129). Als Auszeichnungsschrift wurde hauptsächlich die Schwabacher Schrift, nachdem sie aufgehört hatte Buchschrift zu sein, benutzt; auch machte sich die Typographie die Kanzlei- und die Kurrentschrift dienstbar. Mit der Kanzlei nahm der herumreisende Schriftschneider Schmidt in Leipzig einen nicht üblen Versuch vor; Crabath in Prag schnitt eine schattierte Schrift mit einem starken und einem schwachen Strich. Mit der Kurrentschrift wurde zu Beginn des xviii. Jahrhunderts verschiedentlich experimentiert. Voran ging Christ. Zink in Wittenberg, ihm folgten Schmidt und in Wien von Trattnern. In Basel zeichneten sich Joh. Putorius und W. Haas aus, in Frankfurt a. M. Luther.

Die Antiqua.

Noch weniger als in der Fraktur leistete Deutschland in der Antiqua. Frobens und Oporins Typen blieben noch zu Anfang des xvii. Jahrhunderts massgebend, obwohl diese selbst mehr Nachahmungen des römischen, als des verbesserten venetianischen Schnittes waren.

Als zu Ende des xvii. Jahrhunderts die Verbreitung der holländischen Ausgaben in Deutschland den Sinn für schöne Drucke geweckt hatte, fing man an, sich Matrizen aus Holland kommen zu lassen. Besonders war es der Schriftgiesser Erhard in Leipzig, welcher sich die Janssonschen Schriften anschaffte. In Nürnberg schnitt Joh. Lobinger lateinische Schriften, die Beifall fanden, ebenso, in Nachahmung der holländischen, Christ. Zinck in Wittenberg. Ein eigentlicher Bahnbrecher erstand jedoch nicht unter den deutschen Schriftgiessern. Wahrscheinlich würde ein solcher auch, in Ermangelung jeglicher Unterstützung und Aufmunterung, das Schicksal so mancher Bahnbrecher gehabt haben. Unter solchen Verhältnissen findet man deutsches Geschick und Talent, wie in manchem anderen Fach, so auch in der Schriftgiesserei hauptsächlich nur im Dienste des Auslandes thätig.

Der Satzapparat.

DIE TECHNIK DES SETZENS UND DRUCKENS. Was den Satz-Apparat betrifft, so wurde der Setzkasten zweckmässiger eingeteilt, und für die Fraktur und Antiqua verschieden eingerichtet; auch machte die öftere Benutzung der orientalischen Schriften besondere Kästen für diese notwendig. Der „Winkelhaken“ wurde verstellbar und aus Metall angefertigt. Das „Schiff“ erhielt den Doppelboden (Zunge) zum Ausziehen, war jedoch noch von Holz. Die eisernen Schliessrahmen fanden überall Eingang.

Der Satz.