Der Satz selbst bekam durch den Durchschuss, die Absätze, die Schmutztitel, Buch- und Kapitel-Einteilungen eine freiere, übersichtlichere Gestaltung. Die Titel in der jetzigen Einrichtung wurden allgemein, ebenso die Angabe des Druckorts und des Datums, des Druckers, später auch des Verlegers. Die kleineren Schriftgattungen gestatteten die Verwendung der kleineren, handlichen Formate. Die Zahl der letzteren war eine übergrosse, ausser den gewöhnlichsten: Folio, Oktav, Duodez und Sedez, wurden: Achtzehner, Vierundzwanziger, Zweiunddreissiger, Achtundvierziger, Zweiundsiebenziger, Sechsundneunziger oft verwendet, es kamen dazwischen aber auch noch andere vor. Die Kolumnentitel, die Signatur, die Norm und der Kustos waren an und für sich kleine, aber doch wesentliche Verbesserungen. Die Accidenzarbeiten hatten noch keine grosse Bedeutung.
Die Presse.
Die Presse von 1750 war im Prinzip und in allen wesentlichen Bestandteilen dieselbe wie die aus dem Jahre 1500. Sie wurde aus Holz konstruiert, jedoch fertigte man nach und nach die Spindel, die Mutter, den Tiegel aus Messing oder Eisen und das Fundament und die Schienen aus Eisen. Als Verbesserer der Pressen werden namentlich Danner in Nürnberg und Wilh. Janszoon Blaeu in Amsterdam genannt.
Um eine Form zu drucken war ein zweimaliges Anziehen des Bengels notwendig, da der Tiegel nicht gross genug war, um eine volle Form zu decken. Der Karren wurde deshalb erst bloss bis auf die Hälfte der Form hineingefahren und der erste Druck geübt, dann ganz hinein, damit auch die andere Hälfte gedruckt wurde.
Die Drucker.
An der Presse arbeiteten zwei Drucker, der „Pressenmeister“ und der „Ballenmeister“[2], die sich jedoch gewöhnlich in der Arbeit ablösten. Der jedesmalige Ballenmeister hatte die zwei pilzförmigen Ballen aus Holz, die mit Rosshaaren überdeckt und mit Schafleder überzogen waren, einzufärben, die von dem Farbetische entnommene Farbe durch tüchtiges Reiben der Ballen an einander gut zu verteilen und dann die Form einzuschwärzen, indem er, unter fortwährend wiegender Bewegung der Ballen, diese erst von oben nach unten und dann seitwärts auf die Schrift drückte, und länger an den Stellen, die eine besonders sorgfältige Einfärbung verlangten, z. B. bei grossen Titelschriften und Illustrationen, anhielt.
Trotz dieser zeitraubenden Manipulationen konnten doch zwei Drucker in einem Arbeitstag 2000 Drucke, flinke Drucker sogar 3000, also resp. 1000 und 1500 vollständige Bogen fertig bringen.
Die Farbe.
Die Farbe wurde von jeder Buchdruckerei selbst bereitet und bestand aus Leinöl-Firnis und Kienruss. Sie war im allgemeinen eine gute, und es kam hauptsächlich nur darauf an, dass der Firnis die richtige Stärke erhielt. Da das Sieden desselben nicht ohne Feuergefahr war, so gestattete man es nur auf einem, dazu von den Stadtbehörden bestimmten Platz. Der Tag des Siedens galt als halber Festtag für die Drucker. Um dem siedenden Öl sowohl die wässerigen als die überflüssigen fettigen Teile zu nehmen wurden Stückchen von Brotrinde oder Semmel hineingesteckt. Mit Salz bestreut, wurden diese Brotstückchen gern gegessen, sie mehrten aber noch den selbstverständlichen Durst ins unberechenbare und das Bier schmeckte nun um so besser.
Die Korrektur.