Der Lehrling wurde, wenn er eine Probezeit von einigen Wochen gut bestanden und durch Zeugen nachgewiesen hatte, dass er in ehrlicher Ehe geboren war, „aufgedungen“. Er hatte 5-6 Jahre zu lernen und den Meister und die Gesellen zu bedienen. Hatte er seine Lehre ehrlich bestanden, so wurde er „Kornut“ oder Hörnerträger und hatte als solcher wöchentlich an die eigentlichen Gesellen eine Abgabe, „nach christlicher Billigkeit“, zu zahlen. Wollte er nun als Geselle losgesprochen sein, so musste er sich dem „Postulat“, oder der Deposition, unterwerfen. Dies geschah unter scenischen Festlichkeiten und in Anwesenheit der Gesellen und Bekannten mit ihren Damen. Erst trat der Prologus auf und hielt eine salbungsvolle Lobrede auf die Kunst. Mit dem unförmlichen, mit Hörnern versehenen Hut aus schwarzem Leder bedeckt[4], wurde nun der Kornut von dem Knecht eingeführt, von letzterem durchgehechelt, geschimpft, geschlagen und mit guten Lehren versehen. Der Kornut lässt sich alles gefallen und verspricht dem Depositor, den Gesellennamen mit Ehren zu führen, die Laster der Jugend und die schlechten Sitten abzulegen, und einen tugendsamen Wandel zu führen. Hierauf erhält er die Konfirmation als Geselle, und die von ihm gewählte „Kranzjungfer“ setzt ihm den Kranz auf. Das ganze Schauspiel wimmelte von Trivialitäten und Roheiten[5]. Der Schmaus bei dem „Postulatvater“, der für gute Speise und guten Trank zu sorgen verpflichtet war, bildete selbstverständlich durchaus nicht eine Nebensache.
Sitten im allge-
meinen.
Von der Zucht und Ordnung in den Druckereien bekommen wir keinen besonders vorteilhaften Begriff, wenn wir die Anordnungen lesen, in welchen den Gehülfen eingeschärft wird, „ihrem Druckherrn gebührliche Ehre und Gehorsam zu erzeigen, ihm nicht widersetzig zu sein, viel weniger mit thatsächlicher Gewalt sich an ihm zu vergreifen“, und sie ermahnt werden: „das Fluchen, Gottlästern, Andere zur Banckhauen zu unterlassen; Abends nicht mit Ungestüm anzuklopfen, jauchzen, geschrey zu tumultuiren, nicht die Wehren zu zucken; das liederliche Feiern, mehrenteils um des unchristlichen Saufens, Schwelgens und Tollisirens willen, sowie das Abhalten heimlicher Conventikula behufs des Aufwiegelns anderer Gesellen, einzustellen“.
Aenderungen in
d. Buchbindung.
DIE BUCHBINDERKUNST[6]. Keine andere gewerbliche Technik konnte in dem Masse durch die Buchdruckerkunst beeinflusst werden, als die Buchbinderei. Die Folianten und Quartanten weichen den Oktavbänden und zierlichen Bändchen, infolge dessen auch das Material für den Einband ein leichteres wird. An Stelle der Holzplatten tritt die Pappendecke oder der aus mehreren zusammengeklebten Blättern bestehende Überzug. Die Beschläge fallen nach und nach weg, die Spangen bleiben jedoch noch lange. Die Bereitung des Leders vervollkommnet sich und es wird in allen Farben verwendet. Durch die Filetten wird ein grösserer Reichtum an Mustern möglich. Jetzt kommen namentlich die arabisch-maurischen phantasiereichen Flachornamente zur Geltung, daneben erhalten sich jedoch Ornamente im Sinne der Renaissance aus antiken Motiven entspringend unter Hinzufügung von Figuren-Schmuck. Götter und Helden, Kaiser und Könige, Reformatoren, reiche Wappen, ganze zusammenhängende Figurenbilder dienen als Einbandsschmuck, wobei oft nicht die geringste Rücksicht auf den Inhalt genommen wird. Selbst die namhaftesten Künstler, wie Hans Holbein d. j., Lucas Cranach Vater und Sohn, Virgil Solis, u. a. verschmähten es nicht, ihre Talente der Buchhülle zuzuwenden. Das Interesse des grossen Publikums und die Bücherliebhaberei der Reichen und Grossen unterstützten die Kunst. In vielen Privatbibliotheken war der Einband fast Hauptsache geworden. Manche Liebhaber aus den höchsten Ständen, selbst Könige und Fürsten, übten persönlich das Buchbinden.
Die österreichisch-burgundischen kur- und pfalzbayrischen Herrscher, die protestantisch sächsischen Fürsten Ernestinischer und Albertinischer Linie, hatten schöne Büchersammlungen. Sowohl Kurfürst Friedrich der Weise († 1525) als auch der unglückliche Johann Friedrich der Grossmütige liessen ihre prachtvollen Bibelausgaben und die Werke der Reformatoren für die Universitätsbibliotheken mit prächtigen Einbänden versehen, die noch heute die Zierde der Sammlungen in Jena, Weimar, Leipzig und Dresden sind. Die Hauptwerkstätte war Wittenberg, der bedeutendste Buchbinder dort Theodor Krüger. Seinen Arbeiten schliessen sich die von Kaspar Krafft und die reichen farbigen Lederbände aus den Offizinen der beiden Cranach an. Auch der gelehrte Herzog Georg der Bärtige († 1539) und sein Bruder Heinrich der Fromme († 1541) hatten dieses Interesse für die Kunst.
Die sächsischen
Einbände.
Unter den Förderern ist ferner der Kurfürst August von Sachsen (1526 bis 1586) zu erwähnen. Im Jahre 1555 legte er den Grund zu der jetzigen königlichen Bibliothek in Dresden und umfasste diese Anstalt mit grosser Liebe. Er berief die Buchbinder Georg Krause und Kaspar Meuser als Hofbuchbinder, und sandte sie auf Reisen, dass sie Bücher ankauften. Um den Betrieb besser unter Augen zu haben, errichtete er ihnen im Schlosse eine Werkstätte und beteiligte sich selbst eifrig bei den Arbeiten. Die Ornamentierung war eine mannigfaltige und die Goldpressung prächtig. Bemerkenswert sind die, zumteil unübertroffenen, gemalten Bände, die sich bis zu Ende des xvii. Jahrh. hielten. Besondere Sorgfalt wurde dem Schnitt zugewendet. Auf dem Goldschnitt schlug man mittels Punzen eine Zeichnung ein und malte die Zwischenflächen aus. Interessant ist auch die Technik, den ein wenig verschobenen Schnitt zu bemalen, und dann nachträglich den scharf zusammengepressten Schnitt zu vergolden. Wird nun ein so gebundenes Buch aufgeschlagen, und dadurch der Schnitt wieder verschoben, so tritt die Untermalung in matten Farben hervor. Man hat diese Art von Arbeit in neuester Zeit mit Glück wieder aufgenommen. Sehr praktisch sind die Bände der kurfürstlichen Reisebibliothek. Damit sie nicht zu sehr ins Gewicht fielen, wurden sie in feines Pergament ohne Pappenunterlagen gebunden.