Etwas zurück gegen die früheren stehen die unter den Kurfürsten Christian i. und ii. von Christoph Weidlich, Matthias Hauffe, Bastian Elert und Kaspar Krafft gelieferten Arbeiten. Man wandte sich damals wieder der Technik der durchbrochenen Metallarbeiten mit unterlegtem Sammet zu, in der Hans Reichardt in Leipzig Meister war. Noch mancher tüchtige Buchbinder dieser Zeit aus dem Süden und Westen wäre zu nennen.
Rückgang.
Die schweren Jahre brachten bald die Periode des Verfalls. Der Lederband tritt zurück, die technische Behandlung wird vernachlässigt und das Pergament meist glatt behandelt. Die glänzenden Schweinslederbände der Holländer, die sogenannten Horneinbände, und die lange in Holland in Gebrauch bleibenden Kartonnagen mit Rücken von rotem Schafsleder und Pappendeckel, mit marmoriertem oder gefedertem Papier überzogen, treten in den Vordergrund.
Befestigung des
Buchhandels.
DER BUCHHANDEL UND DIE BÜCHER-PRODUKTION[7]. Nach dem Ablauf des ersten Viertels des xvi. Jahrhunderts trat mit dem Buchhandel eine Wandlung ein, indem er sich von den Jahrmärkten emanzipierte und eine respektable Stellung einnahm. Viele der grösseren Buchdruckereien verwandelten sich in Buchhandlungen. Die grosse Masse der Buchdrucker geriet dagegen in Abhängigkeit von den Verlegern. Die Buchhandlungen bemühten sich, als abgeschlossene Geschäftskorporationen von den Regierungen anerkannt zu werden und Privilegien zu erlangen, ohne zu bedenken, wie sehr sie damit den Regierungen eine Handhabe zu ihrer Beaufsichtigung und der leichteren Durchführung der Zensur-Massregeln gewährten. Überwachungs-Kommissionen wurden ernannt und die Buchhändler verpflichtet, nichts regierungsfeindliches zu drucken. Die Zensur wurde streng, und, was noch schlimmer war, launenhaft geübt; im Norden im allgemeinen etwas freisinniger, als im Süden.
Einfluss der Re-
formation.
Den Impuls zu einem grösseren Bücherbetrieb hatten zuerst Luthers Schriften gegeben; selbst seine Feinde mussten einräumen, dass seine Bücher fast in jeder Bauernhütte zu finden waren. Zwar verlor sich das religiöse Lesebedürfnis nach und nach, aber die einmal geweckte Leselust blieb. Die schönwissenschaftliche Litteratur verschaffte den Buchdruckereien viele Arbeiten und gewährte dem Buchhandel ein neues Feld für seine Thätigkeit. Namentlich war es die fremde Litteratur, der das Publikum von Beginn ab seine Neigung zuwendete. Boccaccio, Äneas Sylvius und der Amadis von Gallien blieben die erklärten Lieblinge.
Hebung der
Litteratur.
Erst im Laufe des xvii. Jahrh. hebt sich die deutsche Litteratur und erweckt eine grössere Teilnahme, trotz der ungeheuerlichen Romane, Erzählungen von Naturereignissen, Missgeburten, Unglücken; je scheusslicher, je besser. Die Verarbeitung dieser Stoffe geschah namentlich in Augsburg und Nürnberg. Hier, sowie auch in Frankfurt am M., erschienen zuerst „die neuen Zeitungen“[8], die sich aus Flugblättern nach und nach in regelmässig erscheinende Zeitungen umwandelten, damit aber auch mehr und mehr dem Buchhandel entzogen wurden, um in die Hände der Postanstalten überzugehen, namentlich war die Thurn und Taxissche Post bemüht, den ganzen Zeitungs-Verlag ihres Bezirks in die Hände zu bekommen. Hingegen erhielten die, gegen Ende des xvii. Jahrh. entstandenen wissenschaftlichen Journale eine besondere, immer wachsende Wichtigkeit für den Buchhandel. Auch der Kalender-Vertrieb erlangte grössere Bedeutung. Einige waren ausserordentlich verbreitet, wie die, von Leonh. Thurneysser in Berlin 1572-1585 herausgegebenen (vergl. S. 152). Angeblich um die Richtigkeit der Kalender zu überwachen, wurden sie von den Regierungen mit Stempel versehen und öfters zum Gegenstand eines Monopols gemacht, welches man verpachtete.