Die Klassiker und
die Reisewerke.
Auch ernsthaftere Lektüre bricht sich Bahn, namentlich Übersetzungen der griechischen und lateinischen Klassiker, gewöhnlich mit Holzschnitten, später mit Kupferstichen illustriert. In diesem Verlag zeichneten sich namentlich Augsburg, Strassburg und Frankfurt a. M. aus. Chroniken und Länderbeschreibungen, Originale und Übertragungen, denen ebenfalls durch Illustrationen Reiz verliehen wurde, lieferten namentlich Sigismund Feyerabend, Theod. und Joh. Th. de Bry sowie die Matth. Merian in Frankfurt (s. S. 130); besonders bekannt waren die Gottfriedsche Chronik mit ihren Fortsetzungen, das Theatrum mundi, die Zeilerschen Topographien mit ihren unzähligen Kupferstichen und Plänen. Eine Menge grosser Reisewerke, durchgehends reich illustriert, erschienen bei L. Hulsius und später bei seiner Witwe in Nürnberg.
Schwierigkeiten
des Vertriebs.
Wennauch die Buchhändler selbst durch die Messen die neuen Bücher kennen lernten, so blieb immer noch die Schwierigkeit des Bekanntmachens derselben für das Publikum. Französische und englische Buchhändler hatten schon früher Verlagsverzeichnisse gedruckt, deutsche Buchhändler fingen jedoch mit solchen erst in der letzten Hälfte des xvi. Jahrh. an. Wenn die Gelehrten nicht durch ihre Korrespondenz zufällig von dem Erscheinen eines Buches Kenntnis erhielten, so waren sie ganz von ihrem Buchhändler abhängig. Hatten sie mit ihrem Auftrag eine Messe versäumt, so musste in der Regel die nächste Messe abgewartet werden.
Messkatalog.
Dies wurde wesentlich anders, als der Augsburger Buchhändler Georg Willer 1564 den „Messkatalog“ ins Leben rief. Derselbe erschien jährlich zweimal. 1592 hört der Katalog unter Willers Firma auf. Im Jahre 1598 nahm die Stadt Frankfurt die Sache selbst in die Hand, und der Messkatalog erschien nun bis 1615, bei Peter Kopff in Frankfurt: cum permissu superiorum. Mit den Messkatalogen trat ein Umschwung im Buchhandel ein. Die Buchhändler waren genötigt, ihre Erwerbungen regelmässig auf den Messen zu machen und ein Lager des Neuesten zu halten.
Messverkehr.
Für die Verleger war es natürlich von grösster Wichtigkeit, dass die Neuigkeiten vor der Messe fertig vorlagen. Von den Besuchern waren die Holländer, Belgier, sowie die Pariser und Lyoner Buchhändler die wichtigsten. Das Hauptgeschäft beruhte auf Tausch, der sich schon im xv. Jahrh. ausgebildet hatte. Wennauch anfänglich den Verhältnissen angepasst, hatte dieses System doch später auch seine grossen Inkonvenienzen, da Produktion und Konsumtion der einzelnen Länder und Städte und Firmen nicht immer sich die Wage halten konnten. Dies verursachte eine teilweise Überproduktion in mittelmässigen oder schlechten Büchern, um doch Tauschobjekte zur Messe mitbringen zu können. Die grossen verlegenden Buchdruckereien, die nicht Sortimentshandel trieben, konnten überhaupt nicht tauschen und so bildete sich teilweise ein reiner Handel gegen Geld, der sogenannte Nettohandel, aus.
Verfall d. Frank-
furter Messe.