Venedig, wo Künste und Wissenschaften blühten, schien mit Grund der günstigste Boden für ein solches Etablissement. Aldus begab sich, entweder in dem Jahre 1488, oder 1489, dahin. Sein erstes datiertes Druckwerk ist Constantin Lascaris' griechische Grammatik, im Jahre 1495 vollendet. Wahrscheinlich ist es, dass zwei kleine Werke ohne Datum, wenn auch später als das von Lascaris angefangen, doch früher erschienen sind, nämlich Musäus' Gedicht Hero und Leander, griechisch und lateinisch, und die Galeomyamachia, griechisches Gedicht von Theod. Prodromos.
Die Ausgabe von
Aristoteles.
Mit rastlosem Eifer ging Aldus an das grosse Werk, eine griechische Ausgabe von Aristoteles, die noch nicht existierte, herzustellen. Um sich von dem Umfang und den Schwierigkeiten dieses Unternehmens ein klares Bild zu machen, muss man sich vergegenwärtigen, dass der Inhalt von fünf Foliobänden aus zahlreichen noch nicht herausgegebenen Abhandlungen in verschiedenen, beinahe unleserlichen oder durch die Unwissenheit der Kopisten korrumpierten Manuskripten zusammengestellt werden musste, ohne dass der Herausgeber eine frühere Ausgabe als Leitfaden zur Seite hatte, so dass er selbst die jeden Augenblick entstehenden Zweifel nur durch seinen Scharfsinn lösen konnte. Bedenkt man ferner, dass diese Arbeiten sich nicht auf den Aristoteles beschränkten, dass Aldus vielmehr eine grosse Zahl anderer Ausgaben in derselben Weise besorgt hat, so muss man seine Arbeitskraft staunend bewundern und kann unmöglich streng über einzelne typographische oder kritische Fehler mäkeln. 1495 wurde das erwähnte Werk, welches Aldus zu dem ersten Rang sowohl als Buchdrucker wie als Herausgeber erhebt, begonnen; 1598 war es vollendet. Inzwischen förderte er viele kleinere, aber doch wichtige Ausgaben an das Tageslicht und seine Wahl wurde stets mit Einsicht und Geschmack getroffen. Während seine Kollegen sich noch grösstenteils auf den Druck mystischer, scholastischer oder höchstens juristischer Werke beschränkten, war es Aldus vorbehalten, eine neue Richtung vorzuzeichnen, und nichts hat mehr zur Verbreitung der klassischen Studien beigetragen, als seine billigen, korrekten und handlichen Ausgaben, die es beinahe jedem möglich machten, die Werke anzuschaffen.
Griechische
Werke in Italien.
Die Annahme, dass Aldus der Erste war, der ganze Bücher mit griechischer Schrift druckte, beruht auf einem Irrtum. Zwar wurde noch gewöhnlich der Platz für griechische Zitate freigelassen, um diese später hineinzuschreiben; man hat jedoch griechische, sogar umfangreichere, Werke vor denen von Aldus, als: aus Mailand Lascaris' Grammatik von 1476; aus Florenz Homer von 1488. Aber die Zahl war klein und die Werke folgten einander langsam, während die griechischen Ausgaben des Aldus so zahlreich waren und so schnell zum Vorschein kamen, dass es selbst bei gewöhnlichen Druckwerken überraschend gewesen wäre.
Lateinische Aus-
gaben.
Nachdem Aldus eine grosse Zahl griechischer Meisterwerke gedruckt hatte, ging er an die des alten Roms. Auch hier fing er mit einer Grammatik, und zwar einer eigenen Arbeit, an. Um seine Bücher allgemein zu verbreiten, fasste er den Plan zu einer Sammlung in klein Oktav (enchiridii forma), wovon ein Bändchen jedoch ziemlich so viel, wie sonst ein Quartband, enthalten sollte, und liess von Franz von Bologna, der auch den Schnitt der meisten seiner übrigen Schriften geleitet hat, seine berühmte schrägliegende Schrift schneiden, nach Muster der üblichen Cancellaresca Romana Cursiva. Als nächstes Vorbild soll Petrarcas Handschrift gedient haben. Da die Mehrzahl der Bücher noch geschrieben war, so heimelte diese Buchschrift, die mit der Feder geschrieben zu sein schien, die Leser zwar sehr an, und ganze Bücher, zuerst der Virgil, wurden auch damit gedruckt. Bald jedoch behielt die gefällige, zugleich kräftige Antiqua die Oberhand, und die Cursiv wurde dann hauptsächlich nur zu den Einleitungen, Noten und als Auszeichnungsschrift zu der Antiqua benutzt, bis in neuester Zeit die fette, halbfette, Egyptienne, Stein- und andere Schriften ihr den Rang abliefen. In Deutschland behielt die Schrift den Namen Cursiv; in Frankreich hiess sie Italique (auch Penche); in England Italic.
Die kleinen
„Aldinen“.