Man kann sich vorstellen, mit welcher Begeisterung die schönen und bequemen Ausgaben des Aldus aufgenommen wurden. Der Sprung von den schweren Folianten und Quartbänden zu diesen niedlichen Bändchen, die man überall mit sich führen konnte, war nicht viel kleiner, als von den Manuskripten zu dem Gedruckten überhaupt. Am 13. Nov. 1502 erhielt Aldus vom Senat ein zehnjähriges Privilegium für seine Cursiv und am 17. Dezbr. ein solches vom Papste Alexander vi., welches von Julius ii. und Leo x. verlängert wurde. Auch sonst wurde er durch Privilegien geschützt, die indes wenig respektiert wurden. Schon 1502 fingen die Lyoner, jedenfalls auf Antrieb der Giunta in Venedig, an, die Aldinen nachzudrucken. Aldus beschwert sich in einer gedruckten Anzeige, welche er wahrscheinlich verteilte, über den Schaden, der ihm, und namentlich seiner Ehre, durch die fehlerhaften Ausgaben der Lyoner zugefügt werde, und giebt die Fehler an, woran letztere zu erkennen wären. Die Lyoner druckten Cartons oder neue Ausgaben und berichtigten diese Fehler, so dass die Käufer nun erst ganz sicher waren, Originalausgaben zu kaufen.

In den Jahren 1501-1505 entwickelte Aldus eine grosse Thätigkeit und es verging kein Monat, worin nicht wenigstens ein klassisches Werk aus seiner Offizin hervorging. Alles war an diesen Büchern gut; der Satz mit Verständnis und Gleichmässigkeit besorgt; der Druck rein auf gutem starken geleimten Papier, mit vorzüglicher Farbe, die noch heute ihre Tiefe und ihren Glanz behalten hat.

Aldi
Neacademia.

Aldus war selbstverständlich nicht imstande gewesen, die Riesenaufgabe, die er sich gestellt hatte, allein zu erfüllen. Er verstand es aber, einen Kreis von gelehrten Männern um sich zu sammeln, die von demselben Streben, die Schätze der Litteratur allen zugänglich zu machen, beseelt waren. Von diesen lebte eine Anzahl in seinem Hause ganz von ihm unterhalten, während andere für Honorar oder nur für die Ehre arbeiteten. Diese sogenannte Aldi Neacademia, gegründet gegen 1500, versammelte sich an gewissen Tagen bei ihm und bestand aus etwa 30 Mitgliedern. Durch Tod und Wegzug lichteten sich aber die Reihen, und die Akademie hörte nach einigen Jahren auf. Ausser mit den Mitgliedern dieser stand Aldus selbstverständlich mit vielen anderen Gelehrten in Verbindung, unter welchen sich auch Erasmus befand, mit dem er zuerst in einem engen Freundschaftsbunde, später aber beinahe in Feindschaft lebte.

Beabsichtigte
Polyglott-Bibel.

Der orientalischen Sprachen, besonders des Hebräischen, selbst mächtig, wollte Aldus auch an den Druck hebräischer Werke gehen. Es existiert aus den letzten Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts ein Probeblatt von einer Bibel in Folio, lateinisch, griechisch und hebräisch, mit schönen Typen gedruckt, dieselbe ist jedoch nicht zur Ausführung gekommen und Aldus hat sich somit den Ruhm nehmen lassen, zuerst eine Polyglott-Bibel zu bringen. Dass weder von ihm, noch von seinen Nachfolgern eine handliche Ausgabe des Neuen Testaments gedruckt worden ist, mag vielleicht in den Verhältnissen zu Rom gelegen haben.

Gegen das Jahr 1500 verheiratete sich Aldus mit Maria Asola († 1520), der Tochter von Andreas Torresanus aus Asola, welcher 1479 Jensons Druckerei in Venedig gekauft hatte.

Geschäftliche
Schwierigkeiten.

1506 musste Aldus Venedig verlassen und seine Druckerei schliessen, nachdem er durch den Krieg, welcher Italien verwüstete, den grössten Teil seines Vermögens verloren hatte. 1507 fing er unter Sorgen wieder zu drucken an, bis eine Assoziation mit seinem reichen, thätigen Schwiegervater Andreas Asolanus ihn in den Stand setzte nach 1508 das Geschäft wieder kräftig zu betreiben. In den Jahren 1510-11 ruhte es jedoch nochmals und wurde erst 1512 wieder eröffnet, in welchem Jahre auch sein dritter später so berühmte, Sohn, Paul Manutius, geboren ward.

Tod des Aldus.