1513 und 14 entfaltete Aldus wieder grössere Thätigkeit und rüstete sich für eine noch grössere, als ihn in seinem 66. Jahre der Tod am 7. Febr. 1515 überraschte. Ob seine irdischen Überreste seinem Wunsche gemäss nach Carpi gebracht wurden, wissen wir nicht. Der Abbé Zenier liess im Jahre 1828 eine einfache Gedenktafel an dem Hause Nr. 2013 in der Nachbarschaft des Campo di S. Agostino, unzweifelhaft sein Druckhaus, anbringen.
Sein Drucker-
zeichen.
Das berühmte Druckerzeichen des Aldus stellt einen, von einem Delphin umschlungenen Anker vor und soll die, mit der Festigkeit verbundene Beweglichkeit und Schnelligkeit, also das sprüchwörtliche festina lente, symbolisch ausdrücken. Wie seine Typen und seine Ausgaben, so wurde auch sein Druckerzeichen widerrechtlich von anderen, selbst von den Giunta, nachgemacht, auch später von neueren Druckereien angenommen.
Andreas Torresa-
nus de Asola.
Nach dem Tode des Aldus wurde die Buchdruckerei von seinem Schwiegervater Andreas Torresanus aus Asola in Verein mit dessen Söhnen Franz und Friedrich fortgeführt. Andreas war ein tüchtiger Mann, wenn er es auch nicht so wie Aldus verstand, die besten geistigen Kräfte für seine Unternehmungen um sich zu sammeln. Die Kinder von Aldus lebten erst mit ihrer Mutter in Asola, kehrten aber bald wieder nach Venedig zurück, woselbst Paul Manutius eine sorgsame Erziehung genoss, jedoch durch geistige Anstrengungen seine Gesundheit so sehr schwächte, dass er sich mehrere Jahre hindurch ganz von den Studien zurückziehen musste. Bald sollte er auch in anderer Weise den Ernst des Lebens kennen lernen, indem das Geschäft infolge von Familienauseinandersetzungen vier Jahre lang (von 1529-1533) geschlossen blieb. In dem letzteren Jahre übernahm Paul, nur 21 Jahre alt, die Buchdruckerei, vorerst für gemeinschaftliche Rechnung mit seinen Geschwistern und den Asolas.
Trotz seiner Jugend zeigte er gleich den überlegenen Geist und trat mit grosser Energie in die Fusstapfen seines Vaters. Da dieser die griechische Litteratur beinahe erschöpft hatte, legte sich Paul namentlich auf Herausgabe der lateinischen Klassiker und gewann zu diesem Zweck die tüchtigsten Gelehrten für sich. 1535 liess er sich zwar durch falsche Vorspiegelungen verleiten, nach Rom zu gehen, wo sein eigentlicher Zweck sich bald als verfehlt ergab; aber die dort angeknüpften Verbindungen mit vielen wissenschaftlichen Notabilitäten kamen ihm später zu statten.
Nachdem die Druckerei in Venedig 1541 nochmals auf Grund von Familienmisshelligkeiten geruht hatte, übernahm sie Paul endlich 1542 ganz für seine und seiner Geschwister alleinige Rechnung und heiratete 1546 Katharina Odoni, welche vier Kinder gebar, von denen das älteste, Aldus, am 13. Febr. 1547 das Tageslicht erblickte.
Von einer schweren Krankheit genesen, ging Paul 1555 nach Bologna, wo man ihn, ebenso wie in Ferrara und in Spanien, zu fesseln versuchte; aber sein Lieblingsgedanke, ein Etablissement in Rom zu begründen, liess ihn alle vorteilhaften Anerbietungen abschlagen. Inzwischen hatte in Venedig der Senator Badoano, 1556, die Idee zu einer grossartigen Academia Veneziana, mit der eine gelehrte Buchdruckerei verbunden werden sollte, gefasst. Dem Paul Manutius beabsichtigte man den Lehrstuhl der Beredsamkeit und die Direktion der Buchdruckerei zu übertragen. Bedeutende Vorbereitungen wurden getroffen, aber die Akademie nahm ein schnelles und klägliches Ende.