Ruf nach Rom.

Da machte der Kardinal Seripandi, im Namen des Papstes Pius iv., dem Paul ebenso vorteilhafte als ehrenvolle Anerbietungen, wenn er nach Rom kommen wollte, um dort eine Reihe heiliger Bücher, Kirchenväter u. s. w., herauszugeben. Es wurden ihm für die Zeit von 12 Jahren jährlich 500 Dukaten in Gold, ferner 300 Dukaten Umzugsentschädigung zugesichert, und seinem Sohne eine Pension von 150 Dukaten in Aussicht gestellt. Die Druckerei sollte auf Kosten des Papstes, der auch alle laufenden Ausgaben zu zahlen hatte, eingerichtet, der Verdienst aber zwischen dem päpstlichen Stuhl und Paul geteilt werden. Solchen mit seinen Wünschen stimmenden Anerbietungen konnte Paul nicht widerstehen.

Paul Manutius
in Rom.

In Rom wurde er mit grosser Aufmerksamkeit aufgenommen und gut eingerichtet. Typen wurden durch Vermittelung von Thomas Giunta geliefert; denn die berühmten Cursiv-Matern des Aldus, die in den Besitz der Torresanis gekommen waren, wollten diese nicht hergeben, während die griechischen Matern, die man einem Bruder des Paul, Antonius, der eine kurze Zeit in Bologna etabliert war, anvertraut hatte, durch dessen liederliche Wirtschaft verloren gegangen waren.

Aber diese Aussichten für Aldus waren nicht von langer Dauer. Die eine Hälfte der Buchdruckerei ging als Eigentum auf den Magistrat von Rom über, während die von dem Papst Sixtus v. im Vatikan gegründete typographische Anstalt ganz den Platz ausfüllte, der ursprünglich für Pauls Druckerei bestimmt war. Die vorteilhaftesten Arbeiten wurden dieser entzogen; der Magistrat verpachtete sogar seinen Anteil an andere und nach dem Tode Pius' iv. liess man im Jahre 1566 Paul die Schlüssel abfordern. Zwar wurde diese harte Massregel auf Anordnung Pius' v. rückgängig gemacht, aber für Paul sollte keine rechte Freude mehr aus seiner Stellung erwachsen.

Rückkehr nach
Venedig.


Der mancherlei Chicanen müde, gab er 1570 seine Stellung in Rom auf, um nach Venedig zurückzukehren, wo es mit der, an Dom. Basa verpachteten Aldinischen Druckerei auch nicht zum besten ging. Vorher wollte er jedoch seine Gesundheit durch eine Reise kräftigen. Den ganzen Winter 1571 verbrachte er in Mailand. Nach Venedig, wo er nun nicht mehr im eigenen Hause Herr war, kam er erst im Mai 1572, kehrte aber schon im Juni nach Rom zurück, um seine Tochter, die er dort in einem Kloster zurückgelassen hatte, zu holen. Hier wurde er von seinen Freunden so gut aufgenommen, dass er seinen Entschluss änderte und ganz dort blieb. Der neue Papst Gregor xiii. war ihm sehr gewogen und er erhielt von ihm eine zwar mässige, jedoch seinen Bedürfnissen genügende Pension. 1573 verheiratete er seine Tochter mit Alexander Honorio. Paul hatte nun die Aussicht, ruhig seinen Freunden und seinen Lieblingsneigungen leben zu können; aber ein so heiterer Abschluss seiner sorgen- und mühevollen Wirksamkeit war ihm nicht vergönnt. Er starb schon 1574 in den Armen seines Sohnes Aldus, allgemein geachtet, allgemein betrauert, und ward in der Kirche Sancta Maria sopra Minervam begraben, wo noch eine einfache Namensinschrift auf einem Denkstein die Stelle seiner Gruft bezeichnet.


Aldus ii.