Sein Sohn Aldus ii., der älteste von vier Geschwistern, war, wie erwähnt, 1547 geboren und ein frühreifes Kind, welches die Hoffnung erregte, es werde seinem Vater und Grossvater gleich werden, wenn nicht gar sie hinter sich lassen. Schon im zehnten Jahre war er bei einer Ausgabe von Ciceros Briefen behülflich und im vierzehnten gab er seine Orthographiæ ratio heraus. Im Jahre 1562 ging er zu seinem Vater nach Rom, wo er bis 1565 weilte, sich vielfach schriftstellerisch beschäftigend.
Nach Venedig zurückgekehrt, wurde ihm von seinen Vettern Bernh. und Hieron. Torresanus der Vorschlag gemacht, mit ihnen gemeinschaftlich zu drucken, was sich jedoch zerschlug. 1572 heiratete er eine Tochter aus der berühmten Buchdrucker-Familie der Giunta, Franzisca Lucrezia, wodurch auch zwischen den rivalisierenden Familien eine geschäftliche Verbindung eintrat, wahrscheinlich unter Mitbeteiligung Basas, des Pächters der Aldinischen Druckerei, deren alleiniger Besitzer Aldus nach dem Tode des Vaters geworden war.
Ruf nach Pisa
und nach Rom.
Einer Ernennung Aldus' zum Professor der schönen Wissenschaften (um 1576) folgte bald ein vorteilhafter Ruf nach Pisa von seiten des Franz von Medici. Kaum hatte er diesen angenommen, als er ein noch ehrenvolleres Anerbieten von Rom aus erhielt, und sein Ansehen war so gross, dass sein Name, obwohl er die Stelle jetzt ausschlagen musste, in die Liste der Professoren eingetragen wurde, und die Stelle unbesetzt blieb. Gegen Ende des Jahres konnte er endlich diesem Ruf und seiner Neigung folgen und nach Rom gehen, wo der Papst Clemens viii. ihm auch die Aufsicht über die Vatikanische Druckerei anvertraute.
Die alte berühmte Aldinische Druckerei gab er 1585 ganz ab, überhaupt war er mehr durch Umstände als durch Neigung Buchdrucker. Seine zeitige geistige Reife und die ihm so früh zugefallene litterarische Ehre hatten ihn der Druckerei abspenstig gemacht. Die Genugthuung, Bücher zu schreiben, ging ihm über die lohnende materielle Arbeit der Förderung der Buchdruckerei.
Aussterben der
Familie.
Aldus starb, nachdem seine vier Kinder ihm schon im Tode vorangegangen waren, am 28. Oktober 1597 im 51. Jahre und mit ihm der letzte berühmte Sprössling einer Familie, die der Wissenschaft und der Typographie die grösste Ehre gemacht, und deren Ruhm nicht erlöschen wird, so lange einer der zahlreichen Bände existiert, welche in dem Zeitraum eines Jahrhunderts aus ihren Pressen hervorgingen. Renouard verzeichnet in seinen Annalen 153 Ausgaben von Aldus Manutius; 109 von den Asolas; 592 von Paul Manutius; 215 von dem jüngeren Aldus; ausserdem noch 36 nicht datierte Werke aus den Aldinischen Pressen, in Summa 1105 Ausgaben von 780 Autoren. Von Nachdrucken zählt er 64 auf.
Die Familie
Giunta.
Glücklicher in ihren äusseren Erfolgen und spekulativer als die Aldi zeigt sich die zweite berühmte Buchdrucker-Familie Italiens, die der Giunta (Junta) in FLORENZ. Hat sie auch nicht die höchsten Ehren der Familie Aldus erreicht, so nimmt sie wenigstens nach ihr die erste Stelle ein und die Mitglieder der Familie waren, ohne selbst Gelehrte von Rang zu sein, unterrichtete und tüchtige Männer, die ihre Kunst thatkräftig und mit Vorteil zu üben verstanden.