Luc-Ant. Giunta.
Seine
Nachkommen.

Die Familie Giunta[2] gehörte zu den angesehenen in Florenz und existierte schon im 14. Jahrhundert. Luc-Antonius und sein Bruder Philippus, deren Vater Wollhändler war, begannen zu derselben Zeit, wie Aldus in Venedig, zu drucken.

Luc-Antonius Giunta kam, nachdem er das Geschäft eines Buchhändlers schon in Florenz betrieben hatte, um 1480 nach Venedig, wo sein erstes Verlagswerk sich aus dem Jahre 1482 schreibt; Buchdrucker ward er wahrscheinlich 1503. Eine seiner Hauptunternehmungen war der Druck des Galenus in lateinischer Sprache. Während Aldus mit seiner grossen griechischen Ausgabe bedeutenden Verlust hatte, druckten die Giunta in der Zeit von 1522-1625 elf Auflagen ihrer lateinischen. Sie spekulierten auf einen billigen Preis und reussierten.

Luc-Antonius starb im Jahre 1537 oder 1538 und einer seiner drei Söhne, Thomas, übernahm die Buchdruckerei. Thomas hinterliess keine Kinder, aber seine Neffen führten das Geschäft unter der Firma: apud Juntas weiter und zwar mit so vielem Glück, dass ihr Nachfolger, Gio-Maria Giunta, in den Jahren 1626-1628 jeder seiner zwei Töchter 100000 Scudi, nach jetzigem Geldwerte gleich 500000 Mark, mitgeben konnte. Sie heirateten zwei venetianische Nobili Foscarini und Cornaro, und mit ihnen endigte der venetianische Zweig der Familie, während das Geschäft in Venedig auch von dem Florentiner Zweig fortgesetzt und 1642 von einem Modesto Giunta geleitet wurde. Noch im Jahre 1791 wird eine dieser Familie angehörende Persönlichkeit erwähnt.

Philipp Giunta
und sein Stamm.

Philipp Giunta, der Bruder Luc-Antonius', hatte Florenz nicht verlassen und etablierte dort eine Buchdruckerei und Buchhandlung. Sein erster Druck: Zenobii Proverbia, aus dem Jahre 1497, war ein griechischer, ebenso der im Jahre 1500 folgenden Orphei Argonautica, sonst druckte er nur lateinische und italienische Ausgaben, namentlich in kleinem Oktav mit der, der Aldinischen nachgebildeten Cursivschrift; den griechischen Druck nahm er erst 1514 wieder auf.

Philipp starb am 16. September 1517, nachdem er die erste griechische Ausgabe von Plutarch, von ihm selbst redigiert, gedruckt hatte. Sein Sohn Bernhard führte das Geschäft für die Erben weiter und ihm hat man die berühmte Quartausgabe von Boccaccios Decamerone zu verdanken, die als Prototyp aller späteren Ausgaben diente, bis die Entdeckung eines, im Jahre 1384 angefertigten Manuskriptes den Wert des Buches verringerte. Der enorme Preis der Giuntaschen Ausgabe veranlasste 1729 einen Nachdruck, der in allen Äusserlichkeiten das Original nachzuahmen versuchte; der Betrug wurde jedoch bald entdeckt.

Das Florentiner Haus kam zwar dem Venetianer an Reichtum nicht gleich, hielt sich aber stets auf einem geschäftlich respektablen Standpunkte. Bernhard starb 1551; die Druckerei wurde von einem seiner vielen Söhne, Philipp, dirigiert und bestand noch im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Glieder der Familie etablierten sich in Rom, Burgos, Madrid und Lyon, an letzterem Orte wohl zunächst in der unedlen Absicht, die Aldinen ungestört nachzudrucken. Hinsichtlich der Ausstattung stehen die Juntinen den Aldinen sehr nach und haben bei den Sammlern nie das Ansehen gehabt wie letztere.


Oriental. Druck.