Die
livres d'heures.
Die Andachtsbücher (livres d'heures) wurden anfänglich fast nur auf Pergament gedruckt, damit die Miniaturisten, von welchen Paris eine Anzahl der gepriesensten besass, grössere Kompositionen und Initialen, für welche Platz gelassen worden war, hineinmalen konnten. Die bunten Figuren, nach byzantinischer Art auf Goldgrund gemalt, boten einen prächtigen Anblick dar. Später versuchte man durch Holzschnitte die Kunst der Miniaturisten, so weit dies ohne Farbe möglich war, zu ersetzen und hatte es um 1486 soweit gebracht, solche Bücher, dem Geschmack des Publikums angemessen, durch Hülfe allein der Druckerpresse herstellen zu können.
Die
Livres d'heures.
Ein Teil der bekanntesten Herausgeber der Livres d'heures, als: Pigouchet, Simon Vostre, Giles Hardoyn, Marnef, Michel le Noir u. a., nahmen die gothischen Schriften und den strengeren deutschen Stil an, und manche Illustrationen verraten unverkennbar den Einfluss Dürers, namentlich aus der Zeit seines Aufenthaltes in Venedig, so dass öfters Dürersche Figuren, von italienischer Architektur oder Ornamenten umgeben, vorkommen. Andere Herausgeber als: Guyot, Marchand, Gourmont, Simon de Colines, Janot, Anabat, vor allen Geofroy Tory standen ganz unter dem Einfluss des italienischen Geschmackes und adoptierten folglich als Druckschrift die Antiqua.
Die schöne Ausführung dieser Bücher und ihr, im Vergleich zu den Manuskriptenpreisen sehr wohlfeiler Ankaufspreis hatten einen bedeutenden Absatz zur Folge. Man wandte sich von allen Seiten mit Aufträgen nach Paris, wodurch die Buchdruckereien einen grossen Aufschwung nahmen. Mit der zunehmenden Menge und Billigkeit liess aber auch die Vortrefflichkeit der Ausführung nach. Die Feinheit der Vignetten scheint auf Metallhochschnitt hinzuweisen, was durch den Buchdrucker Jean Dupré, 1488, bestätigt wird, der von Vignetten, imprimées en cuyvre, spricht. Wie hoch diese Bücher jetzt von den Sammlern geschätzt werden, geht daraus hervor, dass die Preise seit dem Beginn des Jahrhunderts bis auf das fünfzigfache gegen damals gestiegen sind.
In wie weit die obengenannten und andere, deren Namen in Verbindung mit den illustrierten Büchern gebracht werden, Drucker, Herausgeber oder ausübende Künstler waren, ist nicht immer genau festzustellen.
Anton Verard.
Anton Verard, geboren zu Paris gegen d. J. 1450, gestorben 1512, anfänglich Kalligraph und Miniaturist, hatte jedenfalls selbst eine Buchdruckerei, obwohl es auch Bücher giebt, die bei Anderen für seine Rechnung gedruckt wurden. Er widmete sich ganz besonders der Herausgabe von Chroniken und Rittergeschichten. Ihm verdankt man die ersten Ausgaben von Froissart und Monstrelet. Er wurde von der kunstsinnigen Königin Anna von Bretagne sehr begünstigt und in verschiedenen seiner Verlagswerke sieht man ein Bild, auf welchem er knieend der Königin ein Exemplar überreicht. Die Zahl der von ihm herausgegebenen Werke ist eine sehr grosse. Ist auch der künstlerische und litterarische Wert dieser Bücher kein bedeutender, so trugen sie doch mächtig bei, den Sinn für ritterliche Ehre und Ritterpflichten zu nähren, bis das Erscheinen des Don Quixote dem Enthusiasmus einen mächtigen Dämpfer aufsetzte. Von da ab haben diese Romane nur für den Bibliophilen Wert.
Geofroy Tory.
Unter den Herausgebern illustrierter Bücher, überhaupt unter den Reformatoren der Kunst und der Schriftsprache in Frankreich, nimmt Geofroy Tory einen ganz hervorragenden Platz ein[2]. Geboren in Bourges um das Jahr 1480, widmete er sich mit Erfolg den Studien, begann zugleich um 1505 das Zeichnen und die Holzschneiderei. Eine zeitlang trieb er diese und die Philosophie friedlich nebeneinander, er war jedoch kein Mann der Halbheit, gab deshalb seinen Lehrstuhl auf und widmete sich ganz der Kunst.