Eine andere berühmte Familie war die Wechelsche, begründet 1522 von Christian Wechel aus Basel. Derselbe druckte öfters den Flavius Vegesius, von dem mehr als 50 Ausgaben existieren, und gab die Werke Dürers in lateinischer Sprache heraus. Maittaire verzeichnet 335 von ihm verlegte Werke, durch welche er vorzugsweise die Medizin, die Anatomie und die Chirurgie förderte. Er beschäftigte die berühmtesten Korrektoren seiner Zeit, Friedr. Sylburge und Joh. Obsopäus. In religiöse Streitigkeiten verwickelt, zog er es vor nach Frankfurt a. M. zu gehen, wo er 1554 starb. Sein Sohn Andreas (1535-1573) war ebenfalls ein ausgezeichneter Drucker. Wie der Vater, nur noch im höheren Masse, war er der Religion wegen Verfolgungen ausgesetzt. In der Bartholomäusnacht entging er zwar der Todesgefahr, aber sein Eigentum wurde konfisziert. Er zog, 1573, mit seiner Familie nach Frankfurt (vergl. S. 131).

Die Familie Ste-
phanus.

Das Geschlecht, welches neben den Aldi zu den höchsten typographischen Ehren gelangte und durch das ganze sechzehnte und einen Teil des siebzehnten Jahrhunderts eine grossartige litterarisch-typographische Thätigkeit entwickelte, war die Familie Etienne[5] oder nach damaliger Sitte Stephanus, die mit dem Heinrich Stephanus als Stammvater begann.

Heinr. i. Stepha-
nus.

Sein Geburtsjahr kennen wir nicht, wissen auch nichts von seiner Jugendgeschichte und in welcher Weise er die Fähigkeiten erwarb, die ihm einen hervorragenden Platz unter den tüchtigsten und gelehrtesten Buchdruckern sicherten. Eine kurze Zeit (1502 bis 1504) arbeitete er zusammen mit einem gelehrten deutschen Buchdrucker Wolfgang Hopyl, dessen Ausgaben bis 1489 zurück- und bis 1522 heraufgehen.

Die Ausgaben Heinrich i. Stephanus' erreichen, so weit bekannt, die Zahl von gegen 130, wovon einige in Gemeinschaft mit andern Buchdruckern oder für fremde Rechnung, 107 aber für eigene Rechnung ausgeführt wurden. Die meisten waren in Folio und mit grosser Sorgfalt gedruckt. Der Inhalt ist beinahe ausschliesslich theologisch und philosophisch, denn die klassische Litteratur war noch immer Domaine der Italiener und hatte sich noch nicht nach Frankreich den Weg gebahnt.

Heinrich, welcher 1520 im August oder September starb, hatte drei Söhne, Franz, Robert und Carl, welche alle Buchdrucker oder Buchhändler wurden. Die Witwe Heinrichs verheiratete sich das Jahr nach dessen Tod mit Simon de Colines (Colinäus), der mutmasslich schon Teilhaber des Geschäfts gewesen war und nun Besitzer der Buchdruckerei wurde, deren Schriftenvorrat er vermehrte, namentlich durch eine, grösstenteils von ihm selbst geschnittene Cursiv. Er machte sich durch seine schöne Klassikerausgabe berühmt.

Robert Stepha-
nus i.

Robert, der zweite Sohn, war 1503 geboren. Über seine Jugend wissen wir nichts, wahrscheinlich ist er im väterlichen Hause geblieben, wo er auch nach der Verheiratung seiner Mutter mit Colines arbeitete. Robert heiratete Perette, die Tochter von Jod. Badius, die eine gelehrte Bildung hatte und das Lateinische fliessend sprach. Überhaupt war durch den steten Verkehr der Gelehrten in Roberts gastfreiem Hause, das öfters durch die Besuche Franz i. und Margarethas von Navarra geehrt wurde, das Lateinische die tägliche Umgangssprache geworden, die selbst den Dienstboten geläufig war. Perette ward die Mutter von acht Kindern und starb gegen 1550, worauf Robert Margaretha Duchemin heiratete.

Seine Wirksam-
keit.