Roberts Wirksamkeit richtete sich auf die Herausgabe der so sehr notwendigen Elementarbücher für das Studium der alten Sprachen und auf korrekte Ausgaben der Klassiker; die Angabe, dass er seine Korrekturbogen öffentlich aushing, gehört jedoch in das Gebiet der Dichtung. Vor allem beschäftigte ihn die Herausgabe der heiligen Schriften, lateinisch, griechisch und hebräisch. Schon die, 1523 in Sedez gedruckte, sorgfältig revidierte lateinische Ausgabe des Neuen Testaments erregte das Missvergnügen der Sorbonne gegen den jugendlichen Herausgeber auf Grund der Emendationen, welche er notwendig fand, und gab das Signal zu den Verfolgungen, unter welchen er sein lebenlang zu leiden hatte. Jede neue Ausgabe der Bibel brachte ihm zwar neue Ehren, aber auch neue Sorgen und Anfeindungen, gegen welche ihn die Gunst Franz i. nur wenig zu schützen vermochte.
Thesaurus linguæ
latinæ.
Die Zahl seiner Drucke beträgt über 600. Sein Hauptwerk, welches allein als Ehrendenkmal für ihn genügend gewesen sein würde, ist der Thesaurus linguæ latinæ (1532). Die vergeblichen Versuche, ein altes Vocabularium des Calepin zeitgemäss zu korrigieren, gaben dazu die Veranlassung. Alle Gelehrten, die Robert anging, ein neues Lexikon zu liefern, schreckten vor der Arbeit zurück, an die nunmehr Robert selbst unter Beihülfe eines bescheidenen Gelehrten Joh. Thierry mit einem solchen Eifer ging, dass das grosse Werk nach zweijähriger Arbeit vollendet war. 1536 erschien eine zweite, verbesserte Auflage, eine dritte 1543 und später noch weitere Ausgaben.
Conr. Néobar.
Bei Gelegenheit des Druckes seiner hebräischen Bibel (1539-1546) wurde Robert am 24. Juni 1539 vom König Franz i. zum königlichen Drucker für die lateinischen und hebräischen Schriften ernannt, wozu noch im J. 1545 die Erhebung zu demselben Posten für das Griechische kam, welchen zuerst Conrad Néobar inne gehabt hatte. Es war der Aufmerksamkeit Franz i. nicht entgangen, dass die griechischen Drucke Frankreichs trotz der Anstrengungen des gelehrten François Tissard im Verein mit dem tüchtigen Praktiker Gilles de Gourmont, die zuerst 1507 ein griechisches Buch in Frankreich gedruckt hatten, weit den italienischen nachstanden. Dem wollte der König abhelfen und glaubte in Conrad Néobar (1538-1540) den rechten Mann gefunden zu haben. Durch Patent vom 17. Januar 1538 wurde er zum königlichen Drucker für das Griechische ernannt mit einem Jahresgehalt von 100 Goldthalern nebst den Vorteilen der Universitäts-Angehörigen, auch sollten alle von ihm zuerst gedruckten Werke auf 5 Jahre Schutz geniessen. Die Schriften sollte Claude Garamond schneiden. Dies erlebte Néobar nicht, der schon nach zwei Jahren starb, in der kurzen Zeit sich aber bereits einen berühmten Namen erworben hatte.
Rob. Stephanus,
kgl. Typograph.
Stephanus übernahm nun die weitere Leitung. Die Zeichnungen zu der Schrift rühren von dem berühmten Kalligraphen Angelus Vergecius (Auge Vergece) her, zumteil auch von dessen damals erst fünfzehnjährigen Schüler Heinrich, dem Sohne Roberts. Diese Schriften sind kaum durch irgend eine spätere Produktion übertroffen und wurden bis in die neueste Zeit in der kaiserlichen Druckerei in Paris verwendet. Auch der berühmte Schriftschneider und Schriftgiesser Wilhelm le Bé wurde von Robert, namentlich für die hebräische Bibel, beschäftigt. Dafür, dass die hebräischen Schriften ebenfalls für königliche Rechnung geschnitten wären, liegen keinerlei Beweise vor.
Robert geht
nach Genf.
Der fortwährenden Verfolgungen durch die Sorbonne müde, ging Robert 1550 oder 1551 nach Genf, um dort in der Ruhe, die er in Frankreich nicht hatte finden können, mit den Reformatoren Calvin, Theodor Beza u. a. zusammenzuleben, ihre Werke zu drucken und die Bibelausgaben ungestört fortzusetzen. Es scheint, als habe Robert mit Standhaftigkeit und Kraft die mit der Übersiedelung verbundenen Verluste und das Ungemach aller Art ausgehalten. Seine Wirksamkeit in Genf war gleich eine bedeutende, das Pariser Geschäft wurde jedoch nicht geschlossen und 1556 beginnt sein Sohn Robert ii. dort seine Ausgaben.
Die griechischen
Schriften.