Dass die Genfer Robert unentgeltlich als Mitbürger aufnahmen, konnte ihm seinen Verfolgern gegenüber, gegen die er eine bittere Rechtfertigungsschrift veröffentlichte, als eine Genugthuung gelten. Es ist ihm vielfach zum Vorwurf gemacht, dass er die berühmten königlichen griechischen Schriften mit nach Genf nahm. Sein Biograph Renouard hat mit schlagenden Gründen ihn gegen den Verdacht, als habe er damit etwas unrechtmässiges gethan, verteidigt. Im Jahre 1621 wurden die Schriften, welche für 1500 Goldthaler dem Rate von Genf von Roberts Enkel, Paul, verpfändet waren, von der französischen Regierung für 3000 Livres gekauft und von Paul nach Paris gebracht. Bei den Verhandlungen deutet nichts darauf hin, als sei Paul nicht rechtmässiger Besitzer der Matern gewesen. Seit 1774 befinden sie sich in der Staatsdruckerei in Paris.
Seinem lateinischen Wörterbuch wollte Robert ein griechisches folgen lassen. Mit den Vorarbeiten beschäftigte er sich lebhaft, wurde aber dabei vom Tode überrascht. Den Zustand dieser Vorarbeiten kennen wir nicht, doch müssen dieselben nach der Aussage des Vollenders, seines Sohnes Heinrich, weit vorgeschritten gewesen sein.
Franz i.
Robert starb am 7. Sept. 1559, 56 Jahre alt. Von seinen acht Kindern werden Heinrich ii., geb. 1528; Robert ii., geb. 1530, und Franz ii. Gegenstand weiterer Besprechung sein. Von Roberts i. Bruder Franz i. ist wenig zu sagen; man kennt das Datum seiner Geburt nicht, weiss auch nicht, ob er verheiratet war. Wahrscheinlich war er nur Buchhändler; ein Buch von ihm später als aus dem J. 1548 kennt man nicht, schliesst deshalb auf seinen frühen Tod um diese Zeit, der vielleicht auch nur Schuld gewesen sein wird, dass er keine grössere Berühmtheit erlangte; denn seine kurze Wirksamkeit zeugt von grosser Tüchtigkeit.
Karl.
Der jüngste Bruder Roberts i., Karl (geb. 1504 od. 1505), war ein tüchtiger Arzt, geschickter Buchdrucker und ausgezeichneter Gelehrter. Der Wegzug Roberts von Paris war der Grund, dass Karl wider seinen Willen das Geschäft übernehmen musste; er setzte aber dabei seinen ärztlichen Beruf fort. Die Druckerei übte er nur bis zum Jahre 1561, produzierte aber in der kurzen Zeit eine Reihe von guten Ausgaben, die einen ehrenvollen Rang unter den Erzeugnissen der Familie einnehmen. Er starb 1564 im Gefängnis, worin er sich, einige behaupten wegen religiöser Ansichten, andere wegen Schulden, befand; Thatsache ist, dass er vieles verloren hatte und dass man seit 1561 geschäftlich nichts weiter von ihm hörte.
Robert ii.
Nach dem Tode Roberts i. fiel das Geschäft dem Sohne Heinrich ii. zu und Robert ii. wurde enterbt; doch scheint dies keineswegs ein Akt der Rache gegen Robert gewesen zu sein, der dem katholischen Glauben treu geblieben war, sondern eine aus Klugheit getroffene Massregel; denn wir sehen Robert ii. seine Wirksamkeit auf Grundlage des früheren Pariser Geschäfts beginnen und in freundschaftlichem und geschäftlichem Verkehr mit seinem Bruder bleiben. Er starb 1571. Seine Witwe heiratete Mamert Patisson, einen tüchtigen Buchdrucker.
Heinrich ii.
Heinrich ii., dessen Ruhm denjenigen der übrigen Mitglieder der Familie noch überragte, war 1528 geboren, in demselben Jahre, in welchem die berühmte lateinische Folio-Bibel seines Vaters erschien. Er wurde von dem Lehrer des Dauphin, Pierre Danis, auf das sorgfältigste im Griechischen unterrichtet; auch schrieb er das Griechische ebenso kalligraphisch schön wie sein Lehrmeister Angelus Vergecius und trieb eifrig Mathematik, selbst Astrologie. Von 1546 ab liess ihn der Vater an den litterarischen Arbeiten teilnehmen, die er mit der Redaktion des Dionysius von Halikarnass begann. Nach dreijährigen Reisen in Italien, wo er die Bibliotheken durchsuchte und Italienisch wie ein Eingeborener sprechen und schreiben lernte, kam er 1549 nach Paris zurück, reiste aber schon 1550 nach England und 1551 nach Flandern, wo er das Spanische studierte. Wahrscheinlich folgte er dem Vater nach Genf, kehrte aber bald nach Paris zurück und ging dann wieder nach Rom.